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Christmas Island- 365 Weihnachtstage
Sie liegt genau eine Flugstunde südlich von Djakarta, weit draußen im Indischen Ozean. Das Eiland, 135 Quadratkilometer groß, gehört zu Australien und ist einer der kuriosesten Erdenflecken.
Weißer Fleck auf der Seekarte
Schon die Geschichte der Weihnachtsinsel ist ungewöhnlich. Vage Andeutungen geben Kunde davon, dass die Insel im dritten Jahrhundert arabischen Seefahrern bekannt war, die damals mit den fernöstlichen Archipelen Handel trieben. Aber von einer „Entdeckung“ kann keine Rede sein, und eine Anlandung wurde offenbar nie versucht. Allein die steile, zerrissene Küste aus scharfkantigem Gestein, die das Eiland umgibt, machte solche Bemühungen illusorisch. Überdies donnert selbst an windstillen Tagen, an denen keine Monsune oder Passate die See zusätzlich aufwühlen, die ozeanische Brandung gegen die Klippen. Für Seefahrer war das Eiland weniger eine Traum- als eine Albtrauminsel.
Dennoch machte abendländischer Forscherdrang natürlich auch vor diesen Widrigkeiten nicht halt, es sollte nur einige Zeit dauern, bis man sich zu Taten aufraffte. Zwar erschien die Insel bereits auf Karten früher portugiesischer und holländischer Navigatoren, aber stets als Fantasiegebilde in völlig falschen Positionen – man hatte wohl etwas gesehen, aber wusste nicht wo. Dann endlich stieß der britische Kapitän William Mynors auf die Unbekannte und entsandte einen Landetrupp. Es war am Weihnachtstag 1643, und obwohl ein Betreten der Küste nicht gelang, blieb der Name hängen. Die Insel hieß hinfort Christmas Island.
Erste Erkundungen
1688 schließlich setzten Mannen des britischen Freibeuters William Dampier Fuß an Land. Sie fanden Wasser, Holz für Reparaturen, zutrauliche Vögel und riesige Mengen von Krabben, von deren größten – Monstren von einigen Kilo – sie mehrere mit an Bord nahmen. Aber die Kaventsmänner hatten wässriges Fleisch und schmeckten nach nichts. Damit war die Insel auch als Versorgungsstelle erledigt. Dieser Ruf eilte ihr anschließend offenbar voraus, denn obwohl in den nächsten 150 Jahren einige Anlandungen stattfanden, siedelte sich niemand auf den urwaldbewachsenen Gestaden an. Nur fünf holländische Seeleute mussten 1855 ein unfreiwilliges Robinsonjahr auf Christmas verbringen und waren über die Präsenz der Riesenkrabben, schmackhaft oder nicht, recht glücklich.
1887 fand ein britischer Erkundungstrupp Phosphat, ein wertvolles Düngemittel aus verhärteten marinen Ur-Organismen. Nun geriet etwas in Bewegung auf der Weihnachtsinsel. Schon vier Jahre später wurde das Mineral kommerziell abgebaut, und weil die Erschließung des Terrains viel Muskelkraft erforderte, holten die Briten chinesische und malaiische Arbeiter auf die Insel, zeitweilig bis zu 3000 Köpfe. Übel entlohnt und behandelt, fristeten die Männer ein Los, das sich auch nicht besserte, als Christmas 1958 in australischen Besitz überging. Canberra betrachtete das Eiland als „extraterritorial“, auf dem asiatische Lohnmaßstäbe galten und die Minengesellschaft im Übrigen tun und lassen konnte, was sie wollte.
Harte Kriegsjahre
Der Zweite Weltkrieg ließ die welten-ferne Insel nicht ungeschoren. Die Japaner hatten Indonesien besetzt, Christmas lag auf ihrem Weg nach Australien. Ein solitäres Geschütz, Baujahr 1903, hatte wenig zur Verteidigung der Insel beigetragen, obwohl ein Zufallstreffer womöglich ein japanisches U-Boot versenkte. Doch die britischen Artilleristen wurden von meuternden indischen Mannschaften ermordet, die die Ko-Asiaten als Befreier sahen und auf ein Ende des kolonialen Jochs hofften. Ende März 1942 stürmten 900 japanische Truppen an Land und nahmen die Insel im Handstreich. Die meisten Frauen und Kinder waren bereits nach Australien evakuiert worden, die männliche Inselbevölkerung (einschließlich der Inder) wurde gefangen genommen und in den Frondienst der Besatzer gepresst. Einigen Chinesen und Malaien gelang die Flucht in den Dschungel, wo sie sich für die Dauer des Kriegs verborgen hielten; der Rest verbrachte drei schlimme Jahre und wurde zum Schluss noch in die berüchtigten Lager der Japaner in Indonesien gesteckt. August 1945 zogen die Invasoren ab. Es war ihnen nicht gelungen, aus den Phosphatvorkommen nennenswerten Nutzen zu ziehen.
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