Insel gut, alles gut
Luxusferien für die einen, Inselalltag für die anderen
Keine Angst vorm T-Day
Über 850 Kilometer zieht sich das Archipel entlang des Äquators, und obwohl die Inseln nur maximal 2,2 Meter über den Meeresspiegel herausragen, bieten sie einen sicheren Lebensraum, dem nicht einmal der “T-Day“ – der Tag, an dem der Tsunami kam – viel anhaben konnte. Von oben betrachtet, sehen manche aus wie Sandpfannkuchen, die mit einem Busch demonstieren, dass sie gerade zum Inselchen aufgestiegen sind. Einige haben den Weg ans Trockene auch bei Ebbe noch nicht ganz geschafft, andere wirken bereits wie saftig grüne Moospolster, eingefasst in eine schneeweiße Krause. Rund 200 der größeren Inseln sind von Einheimischen besiedelt, einem ethnischen Mischvolk, dessen Mix von Indern, Singhalesen, Tamilen, Arabern und Europäern bereichert wurde. Sie haben eine gemeinsame Sprache, Dhivehi, und eine eigene Schrift, Thaana. Staatsreligion ist seit dem 12. Jahrhundert der Islam, andere Religionen werden nicht geduldet. Als politisches und religiöses Oberhaupt amtiert seit 1978 Präsident Maumoon Abdul Gayoom. Im Parlament der Präsidialrepublik sind seit Kurzem auch Mitglieder der Reformbewegung vertreten. In einer „gebremsten Demokratie“ hat die Opposition immerhin die Möglichkeit, auf Missstände hinzuweisen und, wenn nötig, sogar Veränderungen herbeizuführen.“
Insgesamt 87 vordem unbewohnte Inseln wurden bislang verpachtet und von unterschiedlichen Betreibern zu „Resort Islands“ ausgebaut. Die hohen Auflagen der staatlichen Lizensierung und eine „bed tax“ von 6 US $ pro Bett lassen keinen Billigtourismus zu. Noch vor 30 Jahren war das Inselreich eines der ärmsten Länder der Welt. Erst 1972 haben sich die Malediven sozusagen selbst entdeckt und erkannt, dass sie trotz des Mangels an Bodenschätzen und fruchtbarer Erde unendlich reich sind. Ihr Kapital ist jener Stoff, aus dem die Urlaubsträume sind: Sonne, Sand, Himmel und Meer. Für die einheimischen Fischer – Fischfang ist nach dem Tourismus noch immer die Haupteinnahmequelle – mag das der graue Alltag sein. Für die Zivilisationsmüden dieser Erde ist es die Verlockung schlechthin. So erbringt der weltweit größte Wirtschaftszweig rund ein Drittel des Brutto-Inlandsprodukts und etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben direkt oder indirekt vom Tourismus.
Haifischfang tabu
Jede der wahrlich traumhaften Hoteloasen verspricht dem modernen Robinson die Erfüllung seiner Wünsche und Sehnsüchte. Allen gemein ist die Grundausstattung: grüne Palmen, weißer Sand, türkisgrüne Lagunen, leuchtende Korallenriffe, ein bilderbuchblauer Himmel und der ungeheuere Lebensreichtum der Unterwasserwelt. 1200 Arten von Fischen, 80 Korallenarten, 185 Algenarten machen die Malediven zum Taucherparadies. Oberhalb des Wasserspiegels zeigt sich die Natur eher sparsam. Die Resortinseln dürfen nur zu 20 % und nicht höher als Kokospalmen bebaut werden. Mit ihren Palmen, Casuarinen, Bougainvilleen, Frangipani, Hibiskus und scharlachroten Ixoragewächsen wirken sie als habe ein harmoniesüchtiger Landschaftsgärtner die optimale Urlaubskulisse geschaffen. Sogar der Sand ist künstlich, immer wieder gewaschen, gesiebt und neu aufgeschüttet, denn der Ozean tut damit, was er will. Und wenn zu viel davon wegspült ist, muss er ebenso wie der Humus für die Obst- und Gemüsegärten importiert werden.
Die Bebauungs- und Begrünungsvorschriften sind ebenso streng wie der Basisplan zu Vermeidung von Umweltschäden, denn man weiß um die Empfindlichkeit des Paradieses. Zur Erhaltung von Fischreichtum und Korallenpracht wurden 15 Tauchplätze zu Natur- und Wasserschutzgebieten erklärt und Direktiven zum Schutz von Manta- und Stachelrochen, Walhaien und Meeresschildkröten erlassen. Haifischfang ist tabu, ebenso der Thunfischfang mit Schleppnetzen. Souvenirs aus Korallen und Schildpatt sind verboten, und all die hübschen Muscheln müssen am Strand liegen bleiben. Viele sind es ohnehin nicht mehr, dabei war früher die Kaurischnecke ein begehrtes Exportprodukt, in vielen Ländern Asiens und Afrikas diente sie als Zahlungsmittel.
Der besseren Merkbarkeit wegen, aber auch, um die Sehnsuchtserfüllung in einem Wort zu propagieren, hat man die Einheimischeninseln umgetauft. So heißt Nalaguraidho nun glanzvoll „Sun Island“, Horubadhoo firmiert höchst luxuriös als „Royal Island“ und Lankanfinolhu im Nordmale-Atoll wurde vielsagend „Paradise Island“ benannt. Natürlich lassen sich die Resorts neben Wassersportarten, Spas und feinen Restaurants einiges einfallen, um ihren Gästen zu all dem kultivierten Fünf-Sterne-Nichtstun Abwechslung zu bieten: Barbecues und Kerzenlichtdinner am Strand, nächtliches Fischen, die individuelle Robinsonade auf einem namenlosen Inselwinzling, Island hopping mit dem Wasserflugzeug und barfüßigen Piloten, Ausflüge mit Speedboats und Dhonis, den einheimischen Holzbooten mit dem sichelförmigen Bug. Das “Hilton Maldives“ punktet ganz neu mit „Ithaa“, einem voll verglasten Unterwasserrestaurant. „Sun Island“ führt den größten Süßwasserpool ins Feld und Dhoni Mighili im Nord-Atoll lockt mit einem malerischen Edel-Dhoni als schwimmende Luxusvilla.
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