Schnell mal nach Asien: Kurztrip Fernost

Kaum Urlaub mehr übrig und trotzdem Fernweh nach Asien: Da schreit nach einem Kurztrip. Doch wohin lohnt sich die Reise, wenn die Zeit knapp ist?

Zugegeben: Wer sich öffentlich bekennt, schnell mal nach Asien zu fliegen, erntet mit Sicherheit mehr Verwunderung als Neid: Wie – nur eine Woche? Lohnt sich das denn überhaupt? Es lohnt, ganz sicher. Wer sich in Sachen Jetlag und Schlaflosigkeit nicht allzu zimperlich zeigt, kann auch in wenigen Tagen noch eine gewaltige Portion fernöstlicher Eindrücke bekommen. Die wichtigste Voraussetzung bleibt, logistisch gesehen, die direkte Fluganbindung, denn wer knapp in der Zeit ist, mag sicher nicht mehr nutzlose Stunden mit Weiterflügen und Wartezeiten auf den Anschlussflug vertrödeln.

Achtung Flugzeiten!

Aus demselben Grund lohnt es sich, bei der Reiseplanung einen Blick auf die Flugzeiten zu werfen. Wer geschickt fliegt, kann noch einen zusätzlichen Tag herausschinden, vorausgesetzt Sie sind hart im Nehmen, wenn es um Jetlag und Durchhaltevermögen geht: Ideal ist der nachmittägliche Abflug in Deutschland. Der Flieger setzt dann nach asiatischer Ortzeit früh morgens auf. Vom Flughafen geht es direkt in den Trubel. Einschlafprobleme sind in diesem Fall abends sicher das letzte Ihrer Probleme. Auf dem Rückflug ist, zeitlich gesehen, der Abflug spät abends besonders Zeit sparend: Bei der Ankunft früh morgens sind Sie allerdings nicht mehr der frischeste aller Arbeitnehmer.

Die klassischen Ziele

Hong Kong

Kaum eine asiatische Stadt ist so vielseitig wie Hong Kong: Keine Stunde braucht der Reisende von den Hochhausschluchten den Central Districts bis in die einsamen Naturparks der New Territories. Trekking und Shopping liegen so nah beieinander wie nirgendwo sonst. Kulturell hat sich Hong Kong die traditionelle chinesische Kultur bewahrt: Tempel gibt es überall in der Stadt, genauso wie schräge geomantische Architektur-Konstruktionen. Wer sich länger als drei Tage in Hong Kong aufhält, sollte unbedingt auch die wilden Randbezirke der New Territories und die zahlreichen kleinen Inseln anschauen, auf denen Touristen immer noch eher selten sind.

Der Vorteil: Sprachliche Probleme sind kaum zu befürchten, Englisch ist Staatsprache. Erholung und Exotik lassen sich gut kombinieren. Kulinarisch ist Hong Kong kaum zu schlagen.

Der Insider-Tipp: Baden in Hong Kong. Zum Beispiel am Strand von Shek O im Südosten von Hong Kong Island. Danach geht's zum Seafood-Dinner in einem der nahe gelegenen kleinen Restaurants.

Bangkok

Quirlig und lebendig ist die thailändische Hauptstadt, schlaflos und vor allem für jüngere Reisende eine echte Attraktion. Doch die Stadt hat mehr zu bieten, als eine aktive Backpacker-Szene. Die Tempel, Museen und Paläste Bangkoks gehören zu den asiatischen Klassikern genauso wie die Tour durch die Khlongs, die Kanäle Bangkoks. Mit einem Zeitunterschied von 6 Stunden finden sich auch Jet-Lag empfindliche Besucher schnell wieder ihren Rhythmus. Klimatisch gibt es keine jahreszeitlichen Unterschiede: Ein prima Winterziel also für alle verfrorenen Asien-Fans, zumal die Trockenzeit von Dezember bis März als ideale Reisezeit gilt.

Der Vorteil: Das Bangkoker Nachtleben ist legendär und ausnehmend innovativ, wenn es darum geht, immer wieder neue Konzepte zu entwickeln.

Der Insider-Tipp: Cocktails oder Abendessen im Sonnenuntergang in der Freiluft-Bar Vertigo Grill & Moon Bar auf dem Dach des Banyan Tree Hotels mit Blick über die Stadt. Unschlagbar!

Singapur

Entgegen aller Vorurteile: Singapur ist weit mehr als eine 2,5-Tage-Reise wert. Von den ethnischen Vierteln der Inder, Chinesen, Malaien und Araber bis zum Dschungelreservat Bukit Timah mitten in der Stadt oder dem spektakulären Nacht-Zoo, den Stränden auf Sentosa oder den zahllosen Nachtmärkten: Singapur ist ganz zu recht eines der klassischen Reiseziele für Städtetouren. Und weitaus vielseitiger, als es die meisten Touristen kennen lernen. Ohnehin macht es die Stadt dem Reisenden einfach genug: Englisch ist Staatssprache und dank bester Hygiene-Bedingungen auch sicher kein Reiseziel, dass ein große Reiseapotheke erfordert. Zumindest dieses Vorurteil ist richtig. Wem dies nicht reicht: Malaysia ist nur einen Katzensprung entfernt und auch per Tagesausflug zu entdecken.

Der Vorteil: Singapur besticht rund ums Jahr mit tropischen Temperaturen. Sightseeing und Strand liegen nah beieinander

Der Insider-Tipp: Trekking und Naturerlebnis auf der vorgelagerten Insel Pulau Ubin, erreichbar ab Changi Ferry Terminal. So ursprünglich ist Singapur sonst nirgendwo

Tokyo

Japans Hauptstadt ist der ideale Kurztrip für alle, die den möglichst großen Overkill für die Sinne suchen: Tokyo schläft nicht, und in punkto Mode und Technik ist die Stadt dem Rest der Welt immer drei Schritte voraus (in den Kleidergrößen aber leider drei hinterher und daher nur für schlanke Europäer interessant). In der gesamten Metropolregion rund um Tokyo leben gut 35 Millionen Menschen – das ist Weltrekord! Per Shinkansen-Schnellzug sind auch andere japanische Städte nicht weit, so dass sich Tokyo auch bei einem Kurztrip zum Beispiel mit einem Ausflug in die historische Kleinstadt Nikko verbinden lässt.

Der Vorteil: Die volle Wucht Japan im Schnelldurchlauf!

Der Insider-Tipp: Der Tempelbezirk Yanaka nahe dem Bahnhof Ueno gehört nicht nur zu den ruhigsten Ecken der Metropole, sondern ist auch das älteste, nie durch Erdbeben oder Krieg zerstörte Stadtteil Tokyos. Hier gibt es den raren Einblick ins traditionelle Tokyo.

Peking

Egal zu welcher Jahreszeit, Peking lockt mit dem prallen Paket an Must-See-Sehenswürdigkeiten: Von der großen Mauer und der Verbotenen Stadt bis zu Sommerpalast und Himmelstempel: Eine Woche lässt sich so spielend mit Programm füllen. Wer sich dem klirrend kalten Winter stellt, wird oft mit strahlend blauem Himmel belohnt, während der heiße Hochsommer im August nicht als gute Reisesaison gilt. Seit vielen Jahren gilt die chinesische Hauptstadt nicht nur politisch sondern auch künstlerisch als Nabel Chinas: Avantgardistische Ausstellungen findet de Reisende vor allem in den alten Industrieanlagen von Dashanzi.

Der Vorteil: Spätestens seit der Olympiade zu einer einfachen Destination geworden: Selbst die berüchtigt-muffeligen Taxifahrer haben sich in der Regel genug Englisch draufgeschafft, um sich dem Kontakt mit dem nicht-chinesischsprachigen Ausländer zu stellen.

Der Insider-Tipp: Der Panjiayuan-Markt im Süden der Stadt strotzt vor echten und fast echten Antiquitäten, Nippes, Schmuck und all dem Trödel, der bei Touristen Beigeisterungsschreie auslöst. Wer hier gut handelt, kommt allemal günstiger weg, als in der Innenstadt.

Shanghai

Die Stadt ist schnell, laut, überwältigend, immer in Bewegung - und die Verkörperung des chinesischen Traums schlechthin. Wer sich nach Shanghai wagt, findet sich zusammen mit chinesischen Wanderarbeitern abends am Bund wieder und schaut kein bisschen weniger ehrfürchtig auf die futuristische Ausgeburt chinesischer Fantasie, als das Bauernvolk aus der Provinz. Von derartig bewegenden Momenten einmal abgesehen, sind auch triviale Vergnügungen wie Shopping oder der Ausflug zum Schneider in Shanghai absolut lohnenswert. Wer mehr als vier Tag mitbringt, ist mit einem Ausflug in die umliegenden und traditionell restaurierten "Wasserdörfer" wie Tongli oder Zhouzhuang gut beraten – das Kontrastprogramm schlechthin! Völlig anders zeigt sich Shanghai auch in den älteren Vierteln wie Hongkou: Hier leben die Menschen noch in den traditionellen Siheyuan-Reihenhäusern. Absolut sehenswert, bevor auch hier die Abrissbirrne zuschlägt.

Der Vorteil: China von der modernen und schicken Seite – und eine der sichersten asiatischen Megastädte!

Der Insider-Tipp: die einwöchige Kurzreise reicht genau, um sich im Dongjiadu-Stoffmarkt eine komplett neue Garderobe auf den Leib schneidern zu lassen. Zu prickelnd günstigen Preisen natürlich.

Die ausgefallenen Ziele

Taipeh

Als asiatische Megastadt kommt Taipeh eigentlich recht brav daher: Begrünte Straßen, viele Cafés und kleine Shops – nur die lebendigen Nachtmärkte fallen ein wenig aus dem Rahmen. Auch wenn es sich in Deutschland noch nicht herumgesprochen hat, Taipeh ist ausnehmend erholsam. Zum Beispiel in den viele hießen Quellen, die die Stadt bietet. Im Vorort Peitou sprudelt das heiße Schwefelwasser direkt aus dem Boden. Kein wunder, dass sich hier die öffentlichen und privaten Badehäuser aneinanderreihen.

Die Vorteile: Kein Touristen-Nepp, die Taiwanesen haben es einfach nicht mehr nötig, Touristen übers Ohr zu hauen. Kulinarisch ist die Taipeh eine Spitzen-Destination

Der Insider-Tipp: Derzeit verteilt das Taipeh Tourism Office gratis Wellness-Gutscheine für Taiwan-Reisende. Kontakt: www.taiwantourismus.de

Macau

Neben Hong Kong scheint Macau immer ein wenig zu verblassen. Finden allerdings nur die Europäer. Wenn es um die Gesamt-Besucherzahlen geht, hat die ehemalige portugiesische Kolonie Hong Kong längst eingeholt. Der Grund: In Macau wird gespielt, was das Zeug hält. Andere machen sich auf den Weg nach Macau, um die grandiosen Hotelbauten à la Las Vegas zu entdecken oder der macanensischen Mischküche zu frönen. Trotz Casinos und illustrer Nachbeleuchtung lockt die Stadt noch immer mit vielen lauschigen Ecken.

Der Vorteil: Die lokale chinesisch-portugiesische Mischkultur ist einmalig.

Der Insider-Tipp: Coloane, die dritte und südlichste Insel der Stadt hat ihren dörflichen Charakter bewahrt. Vor allem der dunkle Strand von Hac Sa ist sehenswert.

Nagoya

Nagoya als Städtereiseziel – das wird im Reisebüro sicher eher selten verlangt. Dabei erfüllt die japanische Stadt südlich von Tokyo eine der Hauptbedingungen, um als Städteziel zu bestehen: Auch sie ist per Direktflug ab Deutschland zu erreichen. Zudem liegt der Centrair Flughafen nahe dem Zentrum. Das spart Zeit und Nerven. Die Zwei-Millionen-Metropole selbst ist eine typisch japanische Stadt: Ein bisschen Geschichte in Form einer malerischen Burganlage, endlose Untergrundpassagen mit viel Shopping-Potential und natürlich einige verwegene Hochhausbauten, wie der verdrehte Spiral Tower der Mode Akademie. Einer der großen Vorteile Nagoyas ist die hervorragende Anbindung ans das Umland: Destinationen wie das Kleinstädtchen Takayama in den japanischen Alpen oder sogar der Fuji sind in wenigen Stunden zu erreichen.

Die Vorteile: Wenig Kulturschock und keine logistischen Problem: Nagoyas Busse und Bahnen sind überall zweisprachig ausgeschildert, erstaunlich viele Menschen sind des Englischen mächtig.

Der Insider-Tipp: Ab Nagoya sind es gerade mal zwei Stunden Fahrt bis zur Ise-Halbinsel und Japans größtem Heiligtum, dem shintoistischen Ise-Schrein.

Kuala Lumpur

Malaysia ist multikulti – vor allem in Kuala Lumpur. Für den Reisenden bedeutet dies vor allem eines: Chinesisch einkaufen, indisch essen, malaiisch Sightseeing. Oder malaiisch essen, indisch einkaufen… Auch Asien-Einsteiger finden sich in Kuala Lumpur spielend zurecht, denn Englisch wird überall gesprochen. Spätestens auf dem Nachtmarkt der Petaling-Road braucht der Reisende seine Kommunikationsfähigkeiten. Zum Handeln, vergleichen und jammern.

Die Vorteile: Die Stadt ist komplett zweisprachig ausgeschildert, auch Asien-Neulingen fällt die Orientierung leicht.

Der Insider-Tipp: Nirgendwo sonst sind Luxushotels so günstig wie in Malaysia. Wer aus dem Kurztrip nach Kuala Lumpur keine Luxusreise macht, ist selber Schuld.

Nanjing

Noch nie gehört? Schade. Seit März 2008 ist die ehemalige Hauptstadt Chinas per Direktflug ab Frankfurt zu erreichen, und damit eine echte Städtedestination. Historisch und atmosphärisch ist die Universitätsstadt ohnehin ein Highlight im Reich der Mitte: Kaiserliche Paläste, viele Alleen und Grünanlagen und Museen von Weltklasse locken derzeit vor allem noch chinesische Touristen. Trotz seiner rund vier Millionen Einwohner im Stadtgebiet gilt Nanjing in China noch nicht aus ausgewachsene Großstadt: Kein Wunder, dass alles ein wenig gemütlicher zugeht als im benachbarten Shanghai. Wer sich nach einigen Tagen dennoch nach Hektik sehnt, kann sich immer noch per Super-Express-Zug in die Megastadt zurückziehen.

Die Vorteile: Eine der schönsten Städte Chinas mit hohem Erholungswert. Vor allem historisch interessierte finden hier viele einmalige Einblicke.

Der Insider-Tipp: Der Großmarkt am Konfuzius-Tempel wurde zum Nightlife-Distrikt umgebaut. Shoppen und Nachtleben gehen seither nahtlos ineinander über.

Françoise Hauser