Adrenalinkicks: von Sri Lanka bis Lombok

Mit dem Heißluft-Ballon über die Tempelanlagen von Bagan in Birma gleiten, Rafting auf dem Kelani River im Hochland Sri Lankas oder Klettern an den Karstfelsen bei Krabi in Südthailand: Nicht nur Sonnenanbeter und Kulturbegeisterte kommen in Asien auf ihre Kosten

Soft Adventure heißt das Zauberwort, das immer mehr Reisende in seinen Bann zieht. Authentisches Reise-Erlebnis statt Reisekonsum lautet die Devise. Und sie gilt keinesfalls nur für durchtrainierte Sportskanonen – denn mit der richtigen Ausstattung und professioneller Anleitung sind die vielfältigen Angebote für jedermann geeignet. Ob Vulkantrekking auf den indonesischen Inseln, ein Tandem-Fallschirmsprung nahe des thailändischen Pattaya, eine Wildwasserfahrt bei Vang Vieng in Laos, Canyoning auf der philippinischen Insel Cebu oder eine Kanutour durch die Halong-Bucht im Norden Vietnams: Der Abenteuerlust sind keine Grenzen gesetzt. inAsien stellt Ihnen die besten Orte für einen Urlaub mit Kick vor

Sonnenaufgang über den Tempeln

Einer der mystischsten Orte Asiens ist die mehr als 900 Jahre alte Tempelstadt Bagan in Birma. Dort finden sich auf einer Fläche von 36 Quadratkilometern über 2.000 mehr oder weniger gut erhaltene buddhistische Pagoden – ursprünglich gab es in der ehemaligen Königsstadt sogar rund 6.000 Sakralbauten. Frühaufsteher können den Sonnenaufgang über der faszinierenden Tempelstadt am Ostufer des Irrawaddy vom Korb eines Heißluftballons aus erleben. Die Touren sind zwar nicht ganz billig, jedoch wird man mit einer unvergesslichen Aussicht belohnt: Aus der Höhe lässt sich beobachten, wie sich der Morgennebel über den goldenen Kuppeln der Tempel lichtet. Bis zu zwölf Personen und ein Pilot passen in die Körbe der insgesamt fünf Heißluftballons, die von einem englischen Team betrieben werden. Die Ballonfahrten werden in der Trockenzeit von Oktober bis März angeboten und dauern zwischen 45 und 60 Minuten. Wo der Ballon landet, hängt ganz von den Windverhältnissen ab und ist jedes Mal aufs Neue eine Überraschung. Zu ausgesuchten Terminen besteht auch die Möglichkeit, an mehrtägigen Ballonsafaris in Birma teilzunehmen, die unter anderem zum Inle-See führen.

Klettern in Krabi

Eine Fülle von Möglichkeiten für einen Abenteuerurlaub bietet auch Birmas Nachbarland Thailand. Die Karstfelsen in der Provinz Krabi zählen zu den beliebtesten Kletterrevieren der Welt. Doch nicht nur Profi-Alpinisten pilgern zu den bizarren Felsenformationen, auch Anfänger können für kleines Geld Kletterkurse besuchen. Ao Nang Climbers ist eine der renommiertesten Schulen vor Ort. Sie bietet ein- und mehrtägige Kurse auf der Halbinsel Railay an. Dort kann man einen der markanten Küstenfelsen besteigen. Höhlenwanderungen und Abseil-Übungen sind neben grundlegenden Kletter- und Sicherungstechniken oft fester Bestandteil der Kurse. Die Kurse sind für Kinder ab einem Alter von sieben Jahren geeignet. Wer den Weg in die Steilwand scheut, der kann in der einmaligen Karstlandschaft auch geführte Trekkingtouren unternehmen, die zu spektakulären Aussichtspunkten auf der Halbinsel Railay führen. Kletterschul-Gründer Narin Ramwong, bekannt unter dem Spitznamen Mor, unterrichtet bereits seit 1997. Er spricht nicht nur Thai und Englisch, sondern auch Deutsch.

Von Baumkrone zu Baumkrone

Doch auch weiter nördlich bietet Thailand zahlreiche Abenteuer: Ein neuseeländisches Team hat in den vergangenen Jahren drei spektakuläre Regenwald-Zipline-Parks aufgebaut, die für zwei bis dreistündige Ausflüge ebenso geeignet sind wie für ein zweitägiges Abenteuerprogramm. „Fly of the Gibbon“ nennt sich das Angebot, das ungefährlich ist, aber dennoch einen Adrenalinschub garantiert: In schwindelerregender Höhe sausen die Besucher – angegurtet und mit einem Karabinerhaken gesichert – an Stahlseilen hängend mit den Füßen voraus von Plattform zu Plattform. Eine der drei Anlagen, der Zipline-Park im Chompoo-Naturreservat liegt nur etwa 1,5 Autostunden südöstlich von Bangkok entfernt. Besonders beliebt ist er bei Rucksacktouristen, die das Ausflugsziel per Minibus ansteuern. Die Seile hier haben eine Gesamtlänge von 3 Kilometern. Jedes davon ist so ausgelegt, dass es eine Last von zwei Tonnen halten könnte – doch die Gewichtsobergrenze für Besucher, so Manager Ashton Adams, liegt bei 130 Kilogramm.

Abenteuerspaß und Party

Die zweite Flying-Fox-Anlage befindet sich im Norden Thailands, etwa 50 Fahrminuten außerhalb der Stadt Chiang Mai. Sie bietet mehr als 2 Kilometer stählerne Zipseile, an denen Besucher durch die Baumwipfel flitzen können. Ganz in der Nähe des Baumkronen-Abenteuerspielplatzes liegen die Kompong-Wasserfälle, ein idealer Platz, um nach dem Regenwald-Erlebnis ein erfrischendes Bad zu nehmen. In Nordthailand bietet „Fly on the Gibbon“ noch weitere Aktivitäten an: beispielsweise Klettern und Abseilen, Trekking, Wildwasserrafting und Mountainbike-Touren. Die neueste der drei Zip-Anlagen hat erst vor wenigen Monaten auf der Party-Insel Ko Phangan eröffnet – so lassen sich perfekt Strandurlaub und Fullmoon-Partys mit einem Abenteuertrip verbinden.

60 Sekunden freier Fall

In der Nähe des Badeortes Pattaya können Urlauber die Adrenalindosis sogar noch erhöhen: Thai Sky Adventures ermöglicht abenteuerlustigen Urlaubern einen Tandem-Fallschirmsprung aus 4 Kilometern Höhe. Rund 250 Euro kostet ein einmaliger Tandemsprung. Nach einem rund 20-minütigen Panoramaflug wird die Flugzeugtür geöffnet. Nun ist Mut gefragt! Während der ersten 60 Sekunden stürzt man im freien Fall Richtung Boden – und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 200 Stundenkilometern. Nachdem sich der Hauptschirm auf etwa 1.500 Meter Höhe geöffnet hat, folgt ein fünf- bis siebenminütiger langsamer Sinkflug, bevor der sichere Boden erreicht ist.

Vang Vieng: Paradies für Outdoor-Sport

Während in Thailand Abenteuerangebote in der Regel nur eine Ergänzung zum Bade- oder Kultururlaub sind, spielen sie im touristischen Angebot des nördlichen Nachbarlandes Laos eine wichtigere Rolle. Das Binnenland kann nicht mit Stränden locken und auch die reizvolle alte Königsstadt Luang Prabang zieht weit weniger Besucher an als beispielsweise die Tempelanlagen von Angkor in Kambodscha oder die birmanische Pagodenstadt Bagan. Dafür jedoch bietet Laos grandiose Naturlandschaften und viele Gelegenheiten für Outdoor-Aktivitäten. Die Keimzelle des Abenteuerurlaubs in Laos war vor rund 20 Jahren die Stadt Vang Vieng, auf halbem Weg zwischen Vientane und Luang Prabang an der Nationalstraße 13. Vang Vieng liegt am Ufer des Nam-Xong-Flusses. Er kann mit dem Kajak befahren werden oder man erkundet ihn beim Tube-Raftingin einem großen LKW-Reifen. In der Umgebung des 25.000-Einwohner Städtchens warten zudem viele Höhlen auf eine Entdeckung. Und damit hat sich das Spaß-Portfolio längst nicht erschöpft: Abenteuer-Agenturen wie Green Discovery bieten noch mehr, zum Beispiel Mountainbiking, Trekking und Kletterkurse, in Vang Vieng, zum Teil aber auch im Norden und im Süden des Landes. Daneben stehen eine Reihe von geführten Motorradtouren zur Auswahl – beispielsweise zu einer versteckten Höhlenstadt in der Huay-Phan-Provinz oder entlang des legendären Ho-Chi-Minh-Pfades.

Downhill in Vietnam

Klettern, Kajakfahren oder Motorradtouren, da kann auch das aufstrebende Urlaubsland Vietnam mithalten. Für Outdoor-Enthusiasten empfiehlt sich insbesondere das Hochland um Dalat in Zentralvietnam, der Bach-Ma-Nationalpark, die Gebirgslandschaft um Sapa im Nordwesten des Landes – dort erhebt sich auch der höchste Berg des Landes, der mehr als 3.140 Meter hohe Phan Xi Păng – und der Cat-Tien-Nationalpark in Südvietnam. Ob Kajakfahren oder Canyoning, Mountainbike-Touren oder Klettern, ein Besuch im Hochseilgarten oder eine abenteuerliche Dschungelwanderung – Spezialveranstalter wie die von Brian und Kim Vierra gegründete Agentur Phat Tire machen vieles möglich, und das zu einem überschaubaren Preis. Eines der Highlights ist eine zweitägige Downhill-Mountainbike- Tour von Dalat nach Mui Nee an der Küste. Am Badeort Nha Trang gibt es ebenfalls Alternativen zum reinen Strandurlaub. Zur Wahl stehen Seekajakfahren im Hon-Mun-Marine-Park, Angelausflüge, Downhill-Mountainbike-Touren und Raftingtouren auf dem Cai-Fluss oder dem Serapok-Fluss – ein spritziges, aber ungefährliches Vergnügen bei Wildwasser-Stufe zwei bis drei. Ein weiterer Tipp für Kajakfahrer sind Touren durch die Halong-Bucht, einer bizarren Fels- und Grottenlandschaft im Nordosten Vietnams, die zum Unesco-Weltnaturerbe zählt. Die klassische Form, die Halong-Bucht zu erkunden, ist ein Ausflug in einer kleinen Dschunke. Doch dieser kann problemlos mit einer eintägigen Kajaktour kombiniert werden, die, wenn es die Gezeiten erlauben, unter anderem ins Innere der 200 Meter langen Dark Cave führt.

Sonnenbaden und Action

Strandurlaub und Abenteuer in Kombination, das bieten noch zahlreiche weitere asiatische Urlaubsländer. Das Tipolo Beach Resort in Cebu auf den Philippinen beispielsweise kooperiert mit dem Abenteuerreise-Veranstalter Planet Action, der Klettertouren in Schluchten und Wasserfällen sowie Reitausflüge, Vulkanbesteigungen, Höhlentouren und Mountainbike-Touren organisiert.

Die für Rafting-Aktivitäten beliebteste Region des Inselstaats Sri Lanka liegt circa 100 Kilometer von der Hauptstadt Colombo entfernt. In der Nähe des Städtchens Kitulgala verspricht eine Rafting-Tour auf dem Kelani-River ein nasses Vergnügen mit Nervenkitzel. Wie wild es auf der 7 Kilometer langen „Rennstrecke“ tatsächlich zugeht, hängt stark vom Wasserstand ab. Der Kelani-Fluss wird von den Einheimischen übrigens manchmal scherzhaft River Kwai genannt – denn der mit mehreren Oscars gekürte Filmklassiker „Die Brücke am Kwai“ wurde 1957 nicht in Thailand gedreht, dem Originalschauplatz des Kriegsdramas, sondern am Kelani-Fluss in Sri Lanka.

Wandern im Feuerring

Ein weiteres Abenteuerland par excellence ist Indonesien, das tektonisch aktivste Gebiet der Erde: Von den über 300 Vulkanen des Inselreichs sind noch rund 100 aktiv. Für Vulkanbesteigungen eignen sich unter anderem der 3.805 Meter hohe Kerinci und der Semeru (3.676 Meter) auf Sumatra – sowie der der 3.726 Meter hohe Rinjani auf der Insel Lombok. Auch der Mount Bromo im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru und der Ijen Krater auf Java, in dessen Inneren Schwefel abgebaut wird, sind einen Besuch wert. Ideal für solche Vulkantrekkingtouren ist die Trockenzeit von April bis September. Bei vielen Krater-Wanderungen lohnt es sich, schon nachts mit Taschenlampe loszulaufen, um später am Vulkankrater einen spektakulären Sonnenaufgang zu erleben. Und wem es bei der Vulkanwanderung nicht heiß genug herging: Im Sukamantri Naturreservat auf der Insel Java, unterhalb des Mount Salak, bietet Indonesia Adventure Dschungel-Überlebenscamps im tropischen Regenwald.

Aus inAsien, Ausgabe 4/2010
Autor: Rainer Heubeck