Ein Hauch genügt

Schon Spuren von Knoblauch reichen, um das Essen zu verfeinern und den Freundeskreis zu verkleinern

Eigentlich bezeichnen Ernährungswissenschaftler Lebensmittel im Einzelnen nicht exklusiv als "gesund". Außer ihr Konterfei grüßt vielleicht von der Verpackung, wo dann nachzulesen ist, der Zucker- und Aroma-überfrachtete Joghurtpudding enthalte so viel Eiweiß wie eine halbe Pute o.ä., was als Nachrichtenwert dem Tipp entspricht, seinen Wollpullover aufzuessen, da er im Eiweißgehalt 60 Chicken Wings gleichkäme. Karotten, würden die unabhängigeren Kollegen beispielsweise sagen, passen prima zu einer gesunden Ernährung, bringen aber nichts mit, was nicht auch einige andere Gemüsesorten liefern.

Abwechslung und Vielgestalt beim Essen sind die Schlüsselworte, die Fachleute bevorzugen. Täglich fünf Moorrüben sind bedeutungslos, wenn der Speiseplan nicht stimmt. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, beim Durchstöbern der Literatur immer wieder auf zwei Lebensmittel zu stoßen, deren gezielte Zusprechung auch umsichtigen Ernährungswissenschaftlern wünschenswert scheint: Sauerkraut und Knoblauch. Sauerkraut hat im koreanischen Kimchi (s. inAsien" /) eine asiatische Variante. Knoblauch nicht.

Denn Knoblauch ist auch im fernsten Osten Knoblauch. Weil dort die Heimat der weißen Knolle liegt. Und es gibt nicht viele weltweit verbreitete Kulturgewächse, die bei ihrem Zug über den Globus so wenig Varianten ausgebildet haben wie Knoblauch.

Klieben, kloben, knobeln

Hat eben wenig Anlass zu Kritik gegeben, der Knofel. Der zutreffende Namensteil "Lauch", den er außer im Romanischen in fast allen Sprachen trägt (engl.: garlic), transportiert noch das indoeuropäische leug für "sich biegen". Zur Vervollständigung seiner Bezeichnung schauen die einen in der Erde nach, wo die einzelnen Zehen die Pflanzenzwiebel auseinanderspalten, klaffen lassen, mancherorts heißt das noch heute klieben, kloben oder knobeln. Andere, wie die Engländer, erinnern die überirdischen spitzen Blätter an einen Speer (Ger).

Die knobelnden Zehen sind selbst kleine Zwiebeln. Es können bis zu 15 sein, und wie Bienen ihre Königin umringen sie die allein stängeltreibende Hauptzwiebel. Sie ist kaum größer, aber zu entdecken, da sie von eiförmiger Gestalt ist. Der durchhäutete Gesamtverband ist die Knolle. Ihr früh aufblätternder, grüner Freiluft-Schaft kann ebenfalls ans Essen geschnippelt werden, denn aus den aromatischen Blättern haben sich die Zwiebeln erst entwickelt. In seinen Konstruktionsmerkmalen wächst der Knoblauch nach der Regel "weniger ist mehr".

Das reicht für einiges. Einem Wälzer gleicht sein naturheilkundlicher Leistungskatalog: Knoblauch wirkt antibakteriell, antimykotisch (gegen Pilze), hemmend auf Thrombozytenaggregation und im Blut fibrinolytisch (gerinnselauflösend), womit nur die wichtigsten gesicherten Befunde genannt wären. Traditionell, aber in Labors und Studien noch nicht zweifelsfrei erwiesen, gehört zu seinen Eigenschaften außerdem: Cholesterin-, Bluthochdruck- und Blutzuckerspiegelsenkung. Mit Vorsicht werden seine Fähigkeiten beim Schutz vor verschiedenen Krebsarten gehandelt, eher Glaubenssache ist seine Eignung bei der Therapie von "Nervenkrankheiten" und Potenzstörungen. Er soll auch vor Erkältung schützen, aber wahrscheinlich nur im sizilianischen Winter, sonst hätte sich das hierzulande schon herumgesprochen.

Schweflige Aura

Der Hauptwirkstoffkomplex ist die schweflige Verbindung Allicin und deren Abbauprodukte. Die Knoblauchpflanzen haben das antibiotische Allicin eigentlich ganz eigennützig entwickelt, denn dessen stechendes Aroma schützt die Knolle vor Fressfeinden. Erst die segensreiche Bekömmlichkeit wahrscheinlich hat die Menschen – nicht alle – veranlasst, den beißenden Geruch bzw. Geschmack des Knoblauchs hinzunehmen oder – seltener schon – anziehend zu finden. Unter Insekten herrscht da Einigkeit: für sie ist das Aroma so ekelhaft, dass sie weiträumig abdrehen. Wenn sie nicht gleich abstürzen wie die Malariamücke z.B., auf die Allicin stark toxisch wirkt. Selbst Zecken wird speiübel, und Flöhe retten sich auf den nächsten Wellensittich.

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