Erfolgstitel Kiwi - Seite 2

Dass solche irrationalen Situationen entstehen, liegt an der in Industrieländern abartigen Subventionspolitik im Agrarhandel, wodurch bretonische EU-Butter zum Niedrigpreisprodukt in Moskau wird und Bielefelder Rindfleisch am billigsten in Beirut zu haben ist. Ob also die Kiwi als eine chinesische Frucht gesehen werden sollte oder als eine nach Neuseeland adoptierte, ist nicht mehr die Frage. Weltweit kommen die meisten Kiwis aus Italien. Die staatliche neuseeländische Kiwifruchtbehörde lanciert deswegen zur Zeit ein von der Hayward-Sorte abgeleitetes neues Produkt mit gelblichem (Werbung: „goldenem“) Fruchtfleisch und weniger Säure. Nochmals wurde ein Kunstname kreiert, diesmal „Zespri“, womit die Kiwi in neuem Gewand wieder zu einem typisch neuseeländischen Obst werden soll, das kein anderer produziert. In europäischen Supermärkten wird es wie gehabt als Kiwi verkauft, mit „Zespri“-Aufkleber und einem Preisaufschlag.

Kuchen statt Müsli

Beim Roh-Essen können Kiwifreunde jetzt also Vorlieben zwischen grünen und gelblichen Früchten entwickeln, zum Kochen sind die grünen wegen der pikanten Säure besser geeignet. Wer sein Müsli mit Milch angießt und einmal probiert hat, Kiwistückchen hineinzuschnippeln, wird oft einen bitteren Geschmack gespürt haben. Verursacht wird er von dem Fruchtenzym Actinidin, das mit Eiweiß reagiert. Kurzes Abbrühen deaktiviert das Enzym – in der Zespri ist es weggezüchtet. Womit allerdings auch die verdauungsfördernde Wirkung des Actinidin fehlt, das die Kiwi ähnlich wie die Ananas in der Küche zu einem Zartmacher werden lässt. Die enorme Vitamin-C-Fracht geht beim Kochen mit Kiwis zum Teil verloren, das enthaltene Calcium, Kalium und Eisen übersteht aber selbst den Backofen, wo die Chinesische Stachelbeere gelegentlich im Kuchenteig oder als Füllung von Ente oder Weihnachtsgans anzutreffen ist. Wegen der leichten Säure schmeckt Kiwimarmelade erfrischend rund, in ihrer asiatischen Heimat wird die Frucht traditionell mit Gewürzen, Zimt und Kardamom zu einer Art Chutney verarbeitet.

Und überall auf der Welt werden Kiwis frisch gegessen, in Europa mit dem Löffel, in China wie ein Apfel. Nur Allergiker müssen austesten, ob sie mit Kiwis auf Kriegsfuß stehen, da die Frucht hohes allergenes Potenzial hat und andere Unverträglichkeiten (z.B. gegen Latex) verstärken kann. Wer keine Probleme mit dem Früchtchen hat, könnte sich jetzt im Herbst ein oder zwei Stück in den Kühlschrank legen. Sie halten dort ewig und sind ein Sofortmittel bei herannahenden Erkältungen. Ob’s nützt? Ungefähr so sicher wie eine Zitrone. Schmeckt aber besser.

„Kiwi!“ ruft der Schnepfenstraußmann, wenn er im Unterholz um die Schnepfenstraußfrau wirbt, und es brachte ihm in der Maorisprache seinen Namen ein. Aber auch der stolzeste Laufgockel hätte sich nie träumen lassen, dass sein Balzruf mal von weltweit so durchschlagender Werbewirkung sein würde.

Stefan Höhle

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Kiwis einkaufen

Reife Kiwis sind stabil, geben auf Druck aber nach. Weiche Früchte sind überreif oder beschädigt. Sie hart einzukaufen muss kein Fehler sein, sie reifen bei Zimmertemperatur nach – beschleunigen lässt sich der Prozess mit einer Papiertüte, in die zu den Kiwis ein Apfel oder eine Banane gepackt wird. Wegen der Plantagenproduktion sind für Kiwis hohe Pestizid- und Insektizidwerte zulässig (Schale!). Anders als Italien liefert Neuseeland inzwischen 20 Prozent der Früchte in Bioqualität. Unbelastete Kiwis können auch wie Äpfel gegessen werden. Harte Kiwis lassen sich an der kältesten Stelle des Kühlschranks wochenlang aufbewahren.