Imagepolitur für Deutschland

Das Deutschlandjahr in Nippon soll den Japanern zeigen, dass Deutschland mehr kann,als Kuckucksuhren zu bauen.

Nivea, Wella oder Boss sind Markennamen, die in Japan fast jeder kennt - ohne dass sie im geringsten mit Deutschland assoziiert würden. Beispiele dieser Art gibt es viele. Das Bild der Japaner von Deutschland ist sehr veraltet. Innovative Produkte oder moderne Kreationen gehören definitiv nicht zu diesem Bild. Bieder, langweilig, ordentlich, gründlich, das sind die Attribute, die uns zugeschrieben werden. Aber es gibt auch positive Beispiele: Autos und Maschinen aus Deutschland sind für Japaner Inbegriff von Wertarbeit. Jährlich steigen die Absatzzahlen der deutschen Automobilindustrie in Japan. Vor allem Hochwertiges ist gefragt: Porsche, Mercedes, BMW, Volkswagen und Audi. Deutsche Hauptexportgüter nach Japan sind PKW (rund 36%), Maschinen (17%) und pharmazeutische Produkte (11%). High Tech kommt dabei eine wachsende Bedeutung zu. Deutlich unterrepräsentiert sind Konsumgüter. Doch genau bei diesen besteht auch noch großes Marktpotenzial: Bei Lifestyle und Mode sowie bei Nahrungs- und Genussmitteln der Spitzenklasse, zum Beispiel auch beim Wein, denken Japaner noch viel zu selten an Deutschland. Das Image Deutschlands aufzubessern und zu korrigieren sowie Produkte aus dem Konsumgüterbereich "made in Germany" in Nippon bekannter zu machen, sind die Hauptziele des Deutschlandjahres. "Deutschland in Japan 2005/2006" umfasst alle Bereiche deutschen Lebens. Darunter sind hochklassige kulturelle Veranstaltungen, aber auch wissenschaftliche Symposien und natürlich wirtschaftliche Ausstellungen. Am 4. April, pünktlich zu Beginn des japanischen Fiskaljahres, wird das Deutschlandjahr eröffnet, und bis zum 31. März 2006 haben auch Unternehmen die Chance, ihren Einfallsreichtum unter Beweis zu stellen. Viele Firmen nutzen diese Gelegenheit, und so gehören zu den Partnern des Deutschlandjahres unter anderem die Bayerische Hypo- und Vereinsbank, Bosch Automotive Systems, Infineon Technologies, Siemens, BASF, Bayer, Degussa, Henkel und viele andere große und mittelgroße Unternehmen. Wege zu den japanischen Kunden gibt es viele: Ausstellungen, Präsentationen oder Messen zählen dazu. In Symposien und Workshops diskutieren Fachleute über künftige Kooperationen von Hochschulen und Wissenschaftlern. Die deutsche Wirtschaft wird zeigen, welche Beiträge sie zu den gemeinsamen Herausforderungen (Wissensgesellschaft, alternde Gesellschaft) und zur Steigerung der Lebensqualität leisten kann. Zentrale Themenfelder sind Gesundheit, Lifestyle, Chemie und Umwelt, in denen deutsche Unternehmen gemeinsam mit anderen Institutionen Aktivitäten und Veranstaltungen durchführen werden. Auch der deutsche Pavillon Bionis auf der Expo in Aichi wird seinen Beitrag leisten. Dessen Botschaft lautet: In der Forschung können sich große Chancen auftun, wenn Deutschland und Japan ihre Zusammenarbeit in der Spitzenforschung weiter ausbauen.

Gründe für eine Teilnahme

Nach einem "verlorenen Jahrzehnt", in dessen Verlauf Nippon vor allem Negativschlagzeilen machte, sollten Unternehmen Asiens größte Volkswirtschaft wieder in ihre Planungen einbeziehen. Japan ist der größte Markt inAsien und verfügt über die mit Abstand höchste Kaufkraft (ca. 9,4 Bill Euro private Sparvermögen); es erwirtschaftet über 60% des Bruttosozialprodukts (BSP) von ganz Asien. Für deutsche Unternehmen, denen der Markteinstieg gelingt, ist Japan einer der lukrativsten Absatzmärkte überhaupt.

Verschiedene Beteiligungsformen

Für interessierte Unternehmen gibt es verschiedene Möglichkeiten einer konkreten Teilnahme. Vor allem große Konzerne entscheiden sich für Eigenveranstaltungen wie Präsentationen oder Ausstellungen, die sie selbst durchführen und finanzieren. Friederike Bosse vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rät: "Für KMU sind Gemeinschaftsprojekte geeignet oder - im Bereich Konsumgüter - die Kaufhauswochen." Auch Sponsoring ist möglich. Viele Projekte stecken schon mitten in der Planung, aber auch "Spätentschlossene" sind willkommen. "Die einzige Frist, die im Januar abläuft, ist die Aufnahme in das Programmheft", sagt Bosse. Und auch dieses wird Mitte des Jahres noch einmal aktualisiert und gedruckt.

Daniela Dietz