Dass die Südasiatische Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit inzwischen auch noch Afghanistan aufgenommen hat, erscheint geographisch zwar folgerichtig, steigert aber zusätzlich ihr Krisenpotenzial. Indien konnte sich mit dieser SAARC-Erweiterung zudem nur durchsetzen, indem es widerwillig dem Drängen Pakistans und Nepals nachgab, der VR China einen „Beobachterstatus“ in dieser Gruppierung zu gewähren. Dass Delhi eine tiefe Abneigung gegen Versuche seiner Nachbarn hat, die „chinesische Karte“ auszuspielen, um dem indischen Übergewicht in der Region so etwas wie Paroli zu bieten, ließ Manmohan Singh beim jüngsten Gipfeltreffen der SAARC in Dhaka zwar unerwähnt. Deutlich wurde der indische Regierungschef trotzdem, indem er unter Hinweis auf Armut und Terrorismus in Südasien sagte, kein Land dürfe sich länger von der Vorstellung leiten lassen, dass „meines Feindes Feind mein Freund ist“.
Die SAARC kann mit zahlreichen Studien aufwarten, die allesamt besagen, durch regionale wirtschaftliche Integration ließen sich „Milliarden von Dollar“ in Form von Handel, Beschäftigung und zusätzlichem Einkommen generieren. Manmohan Singh, der nicht zu Übertreibungen neigt, erhofft sich von dem neuen Freihandelsabkommen eine Zunahme des intraregionalen Handels von gegenwärtig etwa 6 Mrd. US-Dollar auf mindestens 14 Mrd. jährlich. Noch aber gibt es, wie sich besonders krass an den indisch-pakistanischen Beziehungen ausmachen lässt, Hindernisse, die solchen Erwartungen entgegenstehen und die auf absehbare Zeit kaum überwunden werden dürften.
So sehr die bislang vom Schneckentempo geprägte Südasiatische Vereinigung für Regionale Zusammenarbeit von der zunehmenden Wirtschaftskraft Indiens auf Trab gebracht werden und profitieren könnte, so sehr auch ist unter Indiens Nachbarn aber nun einmal die Sorge verbreitet, von dem Sog dieser Kraft wirtschaftlich vereinnahmt zu werden. Global steht Indien mehr denn je für den Aufstieg Asiens, regional hingegen im Zentrum eines Krisengebiets mit jenen zwei Feinden, die da eben Armut und Terror heißen. Und genau das ist Südasiens eigentliches Dilemma.
Werner Adam
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