Stichwort Asien: Konfuzianismus

Mit den konfuzianischen Parolen «Kontinuität» und «traditionelle Werte» könnte auch heute noch jede konservative Partei in den Wahlkampf gehen. An die Erfolge des kleinen chinesischen Gelehrten anzuknüpfen dürfte den meisten modernen Politikern allerdings schwerfallen: Fast 2000 Jahre lang dienten die Ideen des «Meister Kong» China als Staatsdoktrin. Wie keine andere Philosophie hat der Konfuzianismus die chinesische Gesellschaft beeinflusst

Politisch verworrene Zeiten waren es, in die der Kleinadlige Konfuzius 551 v.Chr. hineingeboren wurde. Längst war das große Reich der Shang-Dynastie in ein Sammelsurium kleiner Fürstentümer zerfallen, deren Regenten sich weniger moralischen Standards als der eigenen Laune verpflichtet fühlten. Mal als Berater, mal als Lehrer, verdingte sich Konfuzius bei diversen Provinzfürsten und verbreitete nebenbei seine philosophischen Ansichten.

Gleiche Regeln für Alle

Klare hierarchische Verhältnisse forderte er, Disziplin und Gerechtigkeit, vor allem aber eindeutige Regelungen für alle - auch für die Regenten. Gerade dieses Gedankengut brachte ihm in der Aristokratie nicht nur Freunde. Immer wieder musste sich der unbequeme Zeitgenosse einen neuen Arbeitgeber suchten. Dabei waren die konservativen Vorstellungen des Konfuzius weder neu noch originell. Anhand der «fünf Kardinaltugenden» wollte er die Gesellschaft zurück in vollkommene Zustände einer legendären Vergangenheit führen. Kurz und prägnant fasste Konfuzius seine moralischen Forderungen zusammen: Rechtschaffenheit, Sittlichkeit, Aufrichtigkeit, Eltern-Liebe und Pflichterfüllung predigte Konfuzius, und verkündete, dass der Sohn dem Vater, die Frau dem Manne und das Volk dem Herrscher untergeordnet seien.

Nach wie vor aktuell

Einfach und praxisbezogen wurden die Ideen des Konfuzius vor allem von seinen Schülern verbreitet, die wiederum nicht selten eigene Interpretationen entwickelten. Allen Abwandlungen zum Trotz blieb die Grundbotschaft der verschiedenen konfuzianischen Schulen über die Jahrhunderte hinweg gleich: «Erst die Gemeinschaft, dann das Individuum» und «gesellschaftliche Harmonie» heißt es heute noch im Reich der Mitte. Auch in Japan, Korea und Vietnam gelten die Prinzipien des Konfuzianismus. Der Blick auf die Gesellschaften des modernen Ostasien zeigt, wie ausdauernd sich die hierarchischen Regeln des «Meister Kong» gehalten haben. Noch immer genießen Senioren sehr viel mehr Anerkennung als im Westen, kämpfen Frauen um Gleichberechtigung, stoßen ausgeprägte Individualisten schnell an gesellschaftliche Grenzen.

Selbst durfte Konfuzius den Siegeszug seiner Ideen allerdings nicht mehr erleben. Als er 479 v. Chr. starb, hatte er zwar eine beachtliche Anzahl von Schülern um sich geschart. Bis der Konfuzianismus in der Han-Dynastie zur offiziellen Staatsdoktrin erklärt wurde, vergingen allerdings noch mehr als 200 Jahre.

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