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Stichwort Asien: Kuli
Wenn es um den Ursprung des Ausdrucks «Kuli» geht, sind sich die Linguisten völlig uneinig. Einige beschwören die chinesische Herkunft und verweisen auf die Bedeutung der Silben «ku» (bitter) und «li» (Stärke), die den Alltag der fernöstlichen Arbeitskräfte nur allzu gut beschrieben. Andere wiederum sehen in dem chinesischen Ausdruck nur eine Übertragung aus dem Englischen, das sich wiederum des Hindi-Worts für «Tagelöhner» bedient. Sicher ist aber, dass die deutsche Bezeichnung «Kuli» dem englischen Ausdruck «Coolie» entlehnt wurde und nicht unbedingt schmeichelhaft ist. Gemeint sind auf alle Fälle die Millionen chinesischer Arbeiter, die während des 19. Jahrhunderts das Reich der Mitte verließen.
Die Herrschaft der Qing-Dynastie hatte vielversprechend begonnen. Dank des anhaltenden Friedens verdoppelte sich die Bevölkerung allein von 1660 bis 1800 auf 300 Millionen, allerdings ohne dass die landwirtschaftliche Fläche adäquat vergrößert worden wäre. Der darauf folgende Verfall der Dynastie traf die Massen umso stärker. Eine nennenswerte Industrie, die den Überhang an Arbeitskräften hätte auffangen können, gab es nicht. Gerade im dicht bevölkerten Süden Chinas sahen sich die jungen Männer gezwungen, ihr Glück im Ausland zu suchen. Auch auf ausländischer Seite war man den günstigen chinesischen Arbeiterkolonnen nicht abgeneigt. In den britischen Kolonien Südostasiens, in Australien oder in den USA, wo man seit Abschaffung der Sklaverei überall händeringend nach billigen Arbeitskräften für körperlich anstrengende Tätigkeiten suchte, waren die Tagelöhner überaus gefragt.
Fast alle Kulis wurden über Singapur geschleust, wo sogenannte Coolie-Traders den Kontakt zu potentiellen Arbeitgebern herstellten. Hier wurden die Menschenmengen umgeschlagen, verteilt, verhökert. Nur wenige der Kulis konnten das Geld für die Passage selbst aufbringen und waren daher mit Knebelverträgen an «Händler» gebunden, die im Gegenzug oft mehrere Jahre entgeltloser Arbeit herausschlugen. Nicht alle Kulis waren freiwillig unterwegs: Wenn das angeforderte Kontingent nicht zu erfüllen war, scheuten die Traders auch nicht davor zurück, an der Küste Chinas selbst zuzuschlagen und Nachschub per Entführung zu rekrutieren.
Erst die dreißiger Jahre beendeten den Boom der Kuli-Arbeit. Zum einen verfügten die meisten Staaten nun selbst über genügend Arbeitskräfte, zum anderen lehnten sich die großen Gewerkschaften der westlichen Staaten gegen die billige Konkurrenz auf. Strenge Einwanderungsgesetze verhinderten die Anwerbung von Kulis. Völlig verschwunden ist das Phänomen aber bis heute nicht. Ein Blick auf die Praktiken der internationalen Schlepperbanden zeigt, dass moderne Kriminelle das Prinzip der Kuli-Arbeit verstanden haben.


