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Stichwort Asien: Der Lange Marsch
Bürgerkrieg und sozialer Umbruch bestimmten das China der beginnenden dreißiger Jahre. Gerade hatte die Guomindang-Partei das Land wieder geeint, kurz darauf aber mit der jungen kommunistischen Bewegung gebrochen und die ehemaligen Verbündeten in die Illegalität gedrängt. Dem Druck der Verfolgung hatten die städtischen Zellen nur wenig entgegenzusetzen. Nach mehreren erfolglosen Aufständen waren 1932 auch die letzten Shanghaier Aktivisten gezwungen, in der «Räterepublik» des südlichen Jiangxi Zuflucht zu suchen. Hier hatte sich Mao Zedong nicht auf das kaum existierende Proletariat, sondern auf die Bauern gestützt und durch umfassende Landreformen einen soliden Rückhalt geschaffen.
Flucht in letzter Minute
Dennoch waren die Kommunisten auf Dauer der Guomindang nicht gewachsen. Über 100.000 Mitglieder der Roten Armee und zahlreiche Kader mussten im Oktober 1934 übereilt vor den Regierungstruppen fliehen. Ohne geeignete Ausrüstung, unter dem täglichen Bombardement durch die Luftflotte und den Regierungstruppen immer nur wenige Tage voraus, ging es im Zickzack-Kurs durch zwölf Provinzen. Genau ein Jahr dauerte es, bis die Kommunisten im Oktober 1935 im unwegsamen Bergland der Provinz Shaanxi Zuflucht fanden. Gerade einmal 8000 Menschen überlebten den Gewaltmarsch von über 12.000 Kilometern. Übrig geblieben war eine feste Gemeinschaft, die mittlerweile fast geschlossen hinter Mao Zedong stand, der sich mit seiner bäuerlichen Revolutionstheorie hatte durchsetzen können.
Eine Ideologie auf Reisen
Was als Wettlauf um das nackte Leben begann, erwies sich im Nachhinein auch als propagandistischer Vorteil für die Kommunisten. Fast ausnahmslos hatten die Verfolgten abgelegene Regionen durchquert, deren Bewohner so zum ersten Mal mit der kommunistischen Ideologie in Berührung kamen. Als sehr viel wichtiger noch erwies sich allerdings ein anderer Umstand: Ganz im Gegensatz zu den nachrückenden Regierungstruppen, zeichneten sich die Kommunisten durch diszipliniertes Verhalten aus. Eine Armee, die nicht plünderte und stahl, das war in der chinesischen Geschichte einmalig. Schnell sprach sich im einfachen Volk herum, dass die Kommunisten nicht zu fürchten waren, dafür aber manch einen verhassten Landbesitzer in die Flucht trieben. Erst in den vierziger Jahren, nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der japanischen Besatzung, sollte dieser Umstand den Kommunisten im Krieg gegen die Guomindang zum entscheidenden Vorteil werden.


