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Stichwort Asien: Der Boxer-Aufstand

Mit Sportsgeist und Kameraderie hatte die chinesische «Boxer»-Bewegung nur wenig am Hut. Stattdessen verschrieb sich die Geheimsekte sehr viel ehrgeizigeren Zielen: Das Programm reichte vom Sturz der Qing-Dynastie bis zur Unverwundbarkeit.

Gesellschaftlich wie politisch befindet sich die die herrschende Qing-Dynastie Ende des 19. Jahrhunderts in der Krise. Gerade hat das chinesische Kaiserreich den japanisch-chinesischen Krieg verloren, große Teile des Landes stehen unter westlicher Kolonialherrschaft. Selbst am konservativen Herrscherhaus werden nun Stimmen laut, Technik, Militär und Gesellschaft nach europäischem Vorbild zu reformieren, um so die Invasoren mit eigenen Mitteln zu schlagen. Für die regierende Kaiserinwitwe Cixi ist dies jedoch unvorstellbar. Sie wählt den vermeintlich einfacheren Weg und entscheidet sich, den wachsenden Widerstand der Bevölkerung gegen die ausländischen Kolonialherren zu nutzen.

Geheimbund

Die geeigneten Partner findet sie in der «Yihe Quan»-Geheimsekte, den "Fäusten für Rechtschaffenheit und Einheit", auch kurz "Boxer" genannt. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts macht die Sekte in Nordchina von sich reden und beeindruckt die Bevölkerung durch öffentliche Demonstrationen ihrer vermeintlich übernatürlichen Kräfte. Auch die Kaiserinwitwe lädt im Mai 1900 eine Boxer-Gesandtschaft vor und lässt sich von der Unverwundbarkeit der Kämpfer überzeugen. Zwar richten sich die Aktivitäten der Sekte eigentlich vorrangig gegen die Misswirtschaft der herrschende Dynastie - die Kaiserinwitwe selbst also -, doch die Cixi weiß die anti-ausländischen wie anti-christlichen Tendenzen der Sekte so geschickt zu nutzen, dass die sozialrevolutionären Aspekte bald in den Hintergrund treten. Gestärkt durch den Rückhalt am Hofe, agitieren die Boxer nun öffentlich, ohne Repressalien fürchten zu müssen. Mitte Juni 1900 gerät die Situation außer Kontrolle: Fast 150.000 Boxer versuchen das Gesandschaftsviertel von Beijing zu stürmen. Neben Tausenden von chinesischen Christen wird auch der deutsche Minister Clemens von Ketteler getötet.

Internationale Truppe marschiert

Über die «Erfolge» der Boxer erfreut, entschließt sich die Kaiserinwitwe nun offiziell, mit Hilfe der Sekte alle Ausländer aus dem Land zu jagen, und erklärt den Westmächten den Krieg. überraschend schnell reagieren diese jedoch auf die Ereignisse. Am 4. August 1900 zieht eine internationale Truppen von über 18.000 Mann in Tianjin los, um den belagerten Landsleuten in Beijing zu Hilfe zu kommen, und kann die Hauptstadt nur wenige Tage später erobern. Cixi selbst flüchtet in letzter Minute samt Hof nach Xi'an und überlässt die Hauptstadt den internationalen Besatzern. Der im folgenden Jahr abgeschlossene Friedensvertrag, das «Boxer-Protokoll», verpflichtet China zu zahlreichen Konzessionen und Reparationszahlungen in Höhe von 450 Millionen Silberdollar. Für die Qing-Dynastie ist es ohnehin zu spät. Gerademal zehn Jahre kann sich das Kaiserhaus noch halten, bevor es von der republikanischen Bewegung gestürzt wird.

Francoise Hauser

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