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Stichwort Asien: Manga

Was verbindet den japanischen Geschäftsmann mit einem pubertierenden Schüler ebenso wie mit einer vierzigjährigen Hausfrau? Die Liebe zum «Manga» natürlich, den allgegenwärtigen Comics. Für viele stehen die Bildergeschichten stellvertretend für die Popkultur des modernen Japan - dabei handelt es sich, genau genommen, um eine der ältesten Literaturgattungen überhaupt

Wer den Manga eigentlich erfunden hat, ist heute nicht mehr festzustellen. Sicher ist aber, dass die Kalligrafie-Rollen des Kyotoer Kosanji-Tempel heute nicht nur als nationaler Kunstschatz, sondern auch als erste «Mangas» Japans gelten. Bereits Ende des zwölften Jahrhunderts entstanden die Bilder, deren überzogene Darstellungen des menschlichen Alltags durch tierische Figuren nur einem einzigen, sympathischen Zweck dienten: der allgemeinen Unterhaltung. Eine Tatsache, die ihnen im Lauf der Zeit auch ihren Namen einbrachte, der sich wörtlich mit «komische (man) Bilder (ga)» übersetzen lässt.

Der Manga wächst heran

Auch im weiteren Lauf der japanischen Geschichte blieben satirische und humoreske Malereien ein wichtiges Thema, das sich bis zur Erfindung des Holzschnitts vor allem in Tempelmalereien wiederfand. Wirklich populär wurden die komischen Zeichnungen und Bildergeschichten jedoch erst mit dem Durchbruch der Massenmedien im 20. Jahrhundert. 1947 machte sich der Zeichner Osamu Tezuka daran, Robert Louis Stevensons «Schatzinsel» als Bildergeschichte umzusetzen - und erntete überwältigenden Erfolg. Obwohl Tezukas Stil viele Nachahmer fand, galt Manga immer noch als Kinderliteratur. Dass sich die Mangas heute in allen Altersklassen etabliert haben, ist den ursprünglichen Lesern der Schatzinsel zu verdanken: Sie wollten auch als Erwachsene nicht auf die Comic-Lektüre verzichten. Gut zwanzig Jahre nach Tezukas Pionierwerk entstanden so die modernen Mangas, deren Leserschaft heute unter Hunderten verschiedener Genres wählen kann.

Die Erotik kehrt zurück

Als besonders verkaufsfördernd erwiesen sich dabei erotische Darstellungen. Auch hier konnten die Manga-Zeichner auf eine lange Geschichte zurückgreifen: Bereits die erotischen Holzschnitte des 18. Jahrhunderts, die «Shunga», stellten ausschließlich pornographische Motive dar, wurden aber immer wieder verboten. Erst mit der gesellschaftlichen Liberalisierung der sechziger Jahre kam für die Zeichner der großen Verlage die Gelegenheit, die Idee der Shunga wieder aufzugreifen. In den folgenden Jahren entwickelten sich erotische Manga für praktisch alle gesellschaftlichen Gruppen, deren Darstellungen genau auf die Leserschaft abgestimmt waren. Am längsten mussten dabei übrigens die Frauen ab zwanzig warten: Sie wurden erst Mitte der achtziger Jahre als kaufkräftiges Publikum entdeckt und erhielten mit den «Ladys' Comics» als letzte ein eigenes Genre.

[Françoise Hauser]

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