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Stichwort Asien: Nirwana

Mit opulent-paradiesischen Zuständen kann das Nirwana nicht locken - und trotzdem ist es für mehr als eine Milliarde Hinduisten und Buddhisten das größte Ziel, eines Tages genau dort zu enden

Für den christlichen Westeuropäer erscheint das Nirwana auf den ersten Blick nur wenig attraktiv. Das «Verlöschen», so die wörtliche Übersetzung aus dem Sanskrit, bedeutet das Ende der Seele, die Befreiung aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburten. Nicht Harfenklänge, Trompeten oder Engelsgesänge erwarten den Hinduisten und Buddhisten am Ende seiner Existenz, sondern eine Art «Nichts». Bis dahin allerdings gilt es eine Reihe von Reinkarnationen zu erleben, denn erst wenn alle Begierden, Verlangen und Bindungen an das Irdische erloschen sind, geht die Seele in das Nirwana ein und erreicht so einen völligen Frieden. Sie hört auf zu existieren.

Alles eine Frage des Karma

Diesen «Zustand der Zustandslosigkeit» zu erreichen ist keine einfache Übung. In beiden Weltreligionen spielen Askese und Meditation eine große Rolle. Besonders Mönche gelten daher als Erfolg versprechende Kandidaten, was jedoch nicht ausschließt, dass auch «Laien» durch den korrekten Lebenswandel und geistige Erkenntnis das Nirwana erreichen können. Für den Hinduisten ist hier das Karma, die Gesamtheit aller Taten, von besonderer Bedeutung. Je nach Lebenswandel erhält die Seele bei der Wiedergeburt eine neue Existenz. Grob vereinfacht, muss ein Mensch mit schlechtem Karma befürchten, beispielsweise als Wurm wiedergeboren zu werden. Mit viel gutem Karma jedoch könnte er als Mitglied der Brahmanen-Kaste erneut das Licht der Welt erblicken und sich so am oberen Ende der Hierarchie einsortieren, an dessen Ende das Nirwana steht. Dieses selbst erreicht er jedoch nur, wenn er dem Weltlichen entsagt. Nur dann löst sich die persönliche Seele «Atman», vereinigt sich mit der Allseele «Brahman» und erlischt.

Wider die Ignoranz

Für den Buddhisten hingegen ist die Reinkarnation eine sehr viel weniger persönliche Angelegenheit, denn eine Seele im hinduistischen Sinn kennt er nicht. Anstelle der Seelenwanderung treten Energien, die sich nach dem Tod wieder als Körper, als geistiges «Ich» manifestieren. Das Nirwana zu erreichen bedeutet vor allem das Ende dieser Energien und damit das Ende allen Leidens, wobei das Leiden ganz allgemein jede Verhaftung mit dem Irdischen umfasst. Auch die für den Hinduismus typische Kastenwesen hat der Buddhismus nicht übernommen: Die Chancen, das Nirwana zu erreichen, sind für alle Menschen gleich. Durch Meditation und die Rezitation von Mantras, spirituellen Formeln, die korrekte Lebensführung, steht es jedem offen, Begierde, Hass und Unwissen zu überwinden und so den Kreislauf der Reinkarnationen zu überwinden.

Françoise Hauser

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