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Stichwort Asien: Samurai

In Europa gelten die japanischen Samurai als die Verkörperung von Stolz, Ehre und Loyalität schlechthin. In der Realität stehen die Berufskrieger jedoch vor allem für Machtkämpfe der feudalistischen Ständegesellschaft

Bereits im achten Jahrhundert bildet sich in Japan eine Klasse heraus, die sich immer mehr auf Kampfkunst spezialisiert. Noch aber sind die Mitglieder in der wörtlichen Bedeutung des Begriffs "Samura" Diener ihres Herren, dem "Daimyo", und keineswegs auf kämpferische Aktivitäten beschränkt. Erst mit dem Beginn des Shogunats 1192 - ein Militärführer hat jetzt die höchste Macht inne - beginnt für die Samurai eine Blütezeit. Ähnlich wie auch die europäischen mittelalterlichen Ritter, werden die Samurai nun ein wichtiges Mittel im Kampf der verschiedenen Regionalherrscher, die sich im permanenten Konflikt um Einfluss und Land befinden. So wichtig sind die Samurai mittlerweile, dass sie an die Spitze der Gesellschaft aufsteigen. Sie erhalten Ländereien, dürfen Steuern eintreiben und - das Macht-Symbol schlechthin - haben das Recht, zwei Schwerter zu tragen.

Für die Ehre in den Tod

Doch die Samurai sind nicht nur mit Privilegien ausgestattet: Als Mitglieder der herrschenden Klasse sind sie dem "Bushido"-Ehrenkodex verpflichtet und sollen dem Volk als moralische Vorbilder dienen: aufopfernd, spartanisch soll sich ein Samurai verhalten, dem Herrn immer treu, voller Respekt und Loyalität. Lieber sterben als die Ehre zu verlieren, lautet die Devise der Samurai. Niederlagen und andere ehrabschneidende Ereignisse verlangen daher nach "Harakiri", dem Tod durch Selbstentleibung.

Vom Krieger zum Aktenschieber

In der Edo-Zeit ab dem 17. Jahrhundert wenden sich viele Samurai den Künsten und der Verwaltung zu - gezwungenermaßen, schließlich ist Japan nun unter einem Herrscher vereint, und der darauffolgende 200-jährige Frieden bietet nur noch wenige Einsatzmöglichkeiten. Doch nicht alle Samurai finden sich mit dieser friedlichen Existenz ab: Als "Ronin", arbeitslose Krieger, ziehen immer wieder Berufssoldaten marodierend durchs Land. Die Blütezeit der Samurai ist ohnehin vorbei. Sie müssen anderweitig beschäftigt werden, teils werden völlig überflüssige Posten geschaffen, um die nun herrenlosen Krieger in die Gesellschaft einzubinden.

Mit den Meiji-Reformen 1868 und der daraus resultierenden Öffnung nach Westen werden die Samurai-Privilegien endgültig abgeschafft, der Samurai-Stand löst sich auf. Immerhin 1,5 Millionen Japaner verlieren so ihre privilegierte Stellung. In Vergessenheit geraten sie dennoch nicht. Als Vorlage zweitklassiger asiatischer Kampffilme bleiben die die Samurai auch im modernen Japan lebendig.

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