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Stichwort Asien: «Hongkong-Chinesisch»

Gehört Kantonesisch zum Chinesischen oder nicht? Wo liegt der Unterschied? Und warum kann man diese Sprache nirgendwo lernen?

Néih hohk-gán Gwóng-dùng-wá a? Wahrscheinlich nicht. Kaum ein Ausländer wagt sich an die kantonesische Sprache - zu furchterregend klingen ihre Charakteristika: Sechs bis neun verschiedene Tonhöhen müssen im Kantonesischen unterschieden werden. Mindestens genauso furchterregend ist die Tatsache, dass sich selbst Linguisten offensichtlich nicht entscheiden können, wie viele es denn nun sind. Dazu kommen Abertausende chinesischer Zeichen, die allesamt einzeln auswendig gelernt werden müssen: Anstelle eines Alphabets verwenden alle chinesischen Sprachen dieselbe "Bildersprache": Jedes Zeichen entspricht einem Wort. Nur die Aussprache variiert je nach Region. Verstehen können sich daher Kantonesen und Shanghaier oder Bejinger Chinesen nicht, einem regen Briefverkehr stünde aber nichts im Wege.

Kulturzentrum Hong Kong

Immerhin fast 100 Millionen scheinen weder mit der Musikalität des Kantonesischen noch den komplexen Zeichen Schwierigkeiten zu haben: Sie lernen es als Muttersprache. Die meisten davon leben im Perlfluss-Delta rund um Guangzhou (Kanton), Macau und Hong Kong. Obwohl die Sprache ihren Namen von der Stadt Kanton ableitet, gilt die ehemalige Kronkolonie als Hort der Kantonesisch-Sprecher, wenn nicht der kantonesischen Kultur überhaupt. Auf dem Festland musste die Sprache schon immer mit dem Hochchinesischen konkurrieren und konnte ergo nie zur Amtssprache aufsteigen. In Hong Kong hingegen wurde das Kantonesische bereits zu britischen Zeiten als Schulsprache unterrichtet. Kein Wunder, dass gerade hier die meisten kantonesischen Filme entstehen und überhaupt alles, was mit dem Begriff kantonesisch behaftet ist, besonders kultiviert wurde. Die exquisite Küche beispielsweise, oder auch die Musik.

Hong Konger Musik-Export

Kantonesisch ist immerhin die Sprache des Canto-Pop, der nicht nur in Hong Kong die Teenies in Extase versetzt. Stars wie Leslie Cheung, Aaron Kwok oder Andy Lau sind in ganz Asien in den Hitlisten zu finden - und gehören mittlerweile zur finanziellen Oberschicht Asiens. Dies verdanken sie indirekt vor allem der Auswanderfreudigkeit der Kantonesen: Unter den Auslandschinesen Asiens genauso wie Amerikas ist Kantonesisch die wichtigste Sprache. Kein Wunder, dass sich die kantonesische Pop-Musik genauso gut verkauft wie die passenden Videos. Bis in die sechziger Jahre galt kantonesische Musik übrigens als höchst "uncool". Erst als das Fernsehen die Hong Konger Massen eroberte, wurde auch die eigene Sprache für die moderne Musik entdeckt. Musikalisch dürften es die meisten Hong Konger Stars nicht bis Europa schaffen, wohl aber den Sprung ins Fernsehprogramm: Ein Großteil der Hong Konger Publikumsfilme wird mit Stars der Canto-Pop-Szene gedreht.

Der in-Asien!-Büchertipp

Yan-Sharon Hammes: "Kauderwelsch, Kantonesisch Wort für Wort", Reise Know-How Verlag, ISBN 3894160993, 7,90 Euro

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Françoise Hauser