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Stichwort Asien: Boat People

Ein paar Jahre sind sie in allen Zeitungen. Dann wird es ruhig um die Boat People. Sie verschwinden in den Flüchtlingslagern Südostasiens - und aus dem Gedächtnis der Welt

1975 ist das Jahr, in dem der Vietnamkrieg zu Ende geht. Für viele Vietnamesen ist das Leiden trotzdem noch lange nicht zu Ende. Vor allem die Hoa, chinesisch-stämmige Vietnamesen, deren Vorfahren vor Jahrhunderten aus dem Norden einwanderten, sind nun suspekt. Viele von ihnen haben während des Kriegs für die US-Armee oder die südvietnamesische Regierung gearbeitet und befürchten nun gleich doppelte Diskriminierung. Fluchtmöglichkeiten für sie gibt es jedoch kaum, schließlich ist Vietnam umgeben von Ländern, die sich kaum als Refugium eignen. In Kambodscha wütet Pol Pot, China liegt in den letzten Zuckungen der Kulturrevolution, in Laos regiert der sozialistische Pathet Lao. Bleibt die Küste. Zwischen einer und anderthalb Millionen Vietnamesen entschließen sich in den nächsten Jahren, die Flucht über das Meer zu wagen. Praktisch jedes Boot ist recht, Hauptsache es schwimmt, vorzugsweise natürlich bis an die Küste eines anderen Lands. Ungefährlich ist die Reise nicht. Immer wieder kentern die baufälligen Boote in den unberechenbaren Monsun-Winden.

Leichte Beute

Schnell entdecken Piraten und anderes Gesindel die hilflosen Boote und räumen eine Nussschale nach der anderen leer. Wer überlebt und nunmehr mittellos an die Küsten Südostasiens gespült wird, hat mit weiteren Schwierigkeiten zu kämpfen: Die meisten Boat People enden in geschlossenen Lagern, wo sie sich um die Einreise in die USA, Kanada oder Australien bewerben können. Oftmals jedoch werden sie ohne viel Aufhebens mit neuen Vorräten und Wasser wieder auf See geschickt. Erst Ende der Achtziger ebbt der Flüchtlingsstrom ab, zum Teil, weil sich die wirtschaftliche Lage in Vietnam bessert, teils aber auch, weil immer weniger Boat People Aufnahme in Drittländern finden. Vor allem in Hong Kong leben 1989 noch immer rund 50.000 Boat People von den etwa 160.000, die es bis an die südchinesische Küste geschafft hatten. In Vorbereitung auf die Übergabe an die Volksrepublik China werden Tausende zwangs-repatriiert. Trotzdem dauert es noch elf Jahre, bis der letzte Bootsflüchtling die Hong Konger Lager verlässt.

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Françoise Hauser