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Stichwort Asien: Die Kulturrevolution
Seit Beginn der Volksrepublik fand hinter den Parteikulissen ein stetiger, ideologischer Kampf um den korrekten politischen Kurs statt. 1966 schien es wieder einmal, als könnten sich die Realpolitiker Deng Xiaoping und Liu Shaoqi endgültig gegen Mao Zedong durchsetzen. Doch der "Große Steuermann" war noch lange nicht bereit, das Zepter aus der Hand zu legen. 1966 rief er eine Massenbewegung nie gekannten Ausmaßes ins Leben. Die "Große proletarische Kulturrevolution" sollte ein für alle Mal mit den "bourgeoisen" und "reaktionären" Elementen in der Gesellschaft abrechnen. Die Jugendlichen des Landes rief er auf, als "Rote Garden" alle Feinde des Sozialismus zu verfolgen. Dass dabei anfangs vor allem Maos Gegenspieler ins Visier gerieten, war natürlich kein Zufall. Schnell breitete sich Angst und Schrecken aus. Schon der Besitz einer Beethoven-Schallplatte oder eines westlichen Klassikers konnte den Zorn der Roten Garden heraufbeschwören, die willkürlich private Wohnungen durchsuchten und deren Bewohner für weitere Verhöre verschleppten.
Zerschlagt alles Alte!
Alles Westliche, alles Alte, alles, was in irgendeiner Form an das klassische China erinnern konnte oder von religiöser Natur war, wurde gnadenlos zerschlagen - kaum ein Tempel blieb verschont! Schulen und Universitäten wurden geschlossen, schließlich waren Schüler und Studenten mit der Jagd auf "reaktionäre Elemente" beschäftigt. Innerhalb kurzer Zeit versinkt das Land im Chaos, selbst Mao hat die Roten Garden nicht mehr unter Kontrolle. Erst mit Hilfe der Armee gelingt es ihm, die Jugendlichen zur Ordnung zu rufen.
Nach Maos Tod
Wie viele Opfer die Kulturrevolution wirklich forderte, ist ungewiss, es sind jedoch etliche Millionen. Selbst über die Dauer der Kulturrevolution sind sich die Historiker nicht einig. Sicher ist, dass nach einer "heißen" Phase von 1966 bis 1969 nach und nach wieder Alltag einzog. Wirklich beendet jedoch war die Kulturrevolution erst, als Mao Zedong 1976 starb und der "Viererbande" der Prozess gemacht wurde. Gemeint sind damit Maos Ehefrau Jiang Qing und drei weitere Kader aus Maos engstem Kreis, die als eigentliche Drahtzieher dargestellt wurden.
Der in-Asien!-Buchtipp
Jonathan D. Spence: "Chinas Weg in die Moderne", dtv, ISBN 3423307951; 29,50 Euro
