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Stichwort Asien: Ikebana
Freunde der Nouvelle Cuisine müssten beim Anblick eines typischen Ikebana-Arrangements eigentlich vor Freude in die Hände klatschen: Nicht üppige Vielfalt, sondern schlichte Eleganz ist gefragt, wenn in Japan Blumen oder Zweige zur Dekoration verarbeitet werden. Nach westlicher Manier einen dicken Strauß bunter Blumen kurzerhand in eine Vase zu stopfen und dann – quasi empirisch – auszuprobieren, wo sie in der Wohnung besonders gut zur Geltung kommen, ist für einen echten Ikebana-Kenner unvorstellbar.
Der reduzierte Kosmos
Typisch für Fernost geht es nicht nur um das optische Wohlgefallen der Blumen selbst, sondern um die Harmonie zwischen Gesteck, Vase und der räumlichen Umgebung. Die einzelnen Teile repräsentieren dabei Himmel, Erde und den Menschen selbst. Vorzugsweise werden daher drei Elemente benutzt, die als „primäre“, „sekundäre“ und „dekorative“ Komponente die Harmonie des Kosmos darstellen sollen. Um die einzelnen „Zutaten“ geht es also kaum: Das Wort Ikebana setzt sich aus den Kanji-Zeichen „Blume“ und „erschaffen“ zusammen. Durch das gekonnte Arrangement erst erhält die Pflanze ihre wahre Ästhetik. Obwohl Intuition und Geschmack ganz bestimmt nicht schaden können, gibt es zahlreiche Regeln, in welchem Winkelmaß die verschiedenen Elemente zueinander stehen können oder dürfen.
Durch die Blume zur Ruhe
Je nach Behältnis lassen sich sogar etliche Schulen unterscheiden: Heika beispielsweise, wo vor allem hohe Gefäße verwendet werden, oder Moribana, das in flachen Schalen gesteckt wird und auch westliche Blumen beinhalten darf. Weitere Untergruppierungen trennen sich nach den diversen Winkelangaben zwischen den einzelnen Elementen des Gestecks. Selbst Avantgarde-Ikebana gibt es im modernen Japan. Hier geht es weniger um Pflanzen als um beliebige andere Materialien. Egal welcher Schule der Ikebana-Freund angehört, eines bleibt gleich: Es ist eine höchst meditative Beschäftigung, die am Ende nicht nur ein nettes Blumenarrangement, sondern auch einen geläuterten Geist hervorbringen soll.
Dass Ikebana einen so meditativen Schwerpunkt hat, mag daran liegen, dass es vor mehr als 1500 Jahren aus den Blumenopfern des Buddhismus entstand. Erst im 15. Jahrhundert setzte sich Ikebana auch außerhalb der Tempel durch und wurde zu einem wichtigen Bestandteil der japanischen Kultur.


