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Stichwort Asien: Eunuch
Zeitenweise muss es am chinesischen Hof zugegangen sein wie in einem Kindergarten. Zugang zum Kaiser? Nur über die Ober-Eunuchen, die eifersüchtig darüber wachten, dass die Konkurrenten nicht zu mächtig wurden. Intrigen und Machtspielchen waren an der Tagesordnung. Dass dabei die eigentlichen politischen Grundfragen in den Hintergrund rückten, verwundert nicht. Manch eine Dynastie stolperte über die Palast-internen Konflikte.
Die Hüter der Schlafkammer
Die Idee, Männer durch Kastration zeugungsunfähig zu machen und in den Dienst des Herrschers zu stellen, ist alt: Bereits im frühen Altertum ist diese Sitte aus dem Nahen Osten und aus China überliefert. Kulturen, in denen der Herrscher über einen Harem oder aber wenigstens mehrere Frauen verfügte, griffen besonders oft zu dieser Methode. Der Grund war einfach: Nur so konnte der Herrscher sicher sein, dass keiner seiner Vertrauten sich insgeheim fortpflanzte und damit seine eigenen Nachkommen auf den Thron hob. Als Palastwache gingen sie deshalb genauso of in die Geschichte ein wie als Berater oder Haremswärter. Davon leitet sich übrigens auch der westliche Name ab: Die griechischen Komponenten euné (Bett) und echô (bewachen) deuten auf den eigentlichen Sinn dieses Unternehmens hin.
Restlos entmannt
Da die Teilkastration hin und wieder die Erektionsfähigkeit erhielt, gab man sich am Hof wenig zimperlich und praktizierte vor allem die Totalkastration. Mit einem schnellen Schnitt wurden Hoden und Penis des kindlichen Opfers abgetrennt und die Harnröhre mit einem Zinn-Nagel verschlossen. Dies war die kritische Stelle: Verwuchs oder entzündete sich der Harnausgang, war der Eunuchen-Neuling dem Tod geweiht. Erwies sich die Operation als erfolgreich, stieg der „Wert“ des Kindes ungemein, denn bei weitem nicht alle Opfer überlebten die Tortur. Kein Wunder also, dass vor allem die Kinder eroberter Völker oder die Nachkommen von hungernden Tagelöhnern als Eunuchen endeten.
Mit dem Kolonialismus im Orient und dem Ende des chinesischen Kaiserreichs verschwanden die Eunuchen aus den Palästen: Der letzte chinesische Eunuch starb in den 1950ern. Einzig in Indien leben noch rund 1,2 Millionen „Hijra“, die meist im Rotlichtmilieu anzutreffen sind. Ihre eigentlichen, rituellen Aufgaben wie Hochzeitsveranstaltungen oder Freudenfeste bei der Geburt eines Sohns verschwinden in Indien immer mehr.


