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Stichwort Asien: Agent Orange

Seinen Namen erhielt es von der orangen Banderole der Fässer. Und seine Wirkung war fürchterlich. Wer im Vietnamkrieg mit dem Entlaubungsmittel Agent Orange in Berührung kam, blieb nicht nur bis an sein Lebensende verseucht, sondern trug den Fluch weiter in die nächsten Generationen

Als die milchige Flüssigkeit 1961 das erste Mal aus US-amerikanischen Flugzeugen auf die Felder Vietnams regnet, wundern sich die Bauern. Wenige Minuten später fallen die Blätter von den Bäumen, knicken die Reishalme kollektiv um. Es ist das Entlaubungsmittel Agent Orange, das innerhalb weniger Jahre mehr als ein Sechstel des vietnamesischen Walds und zwei Drittel aller Felder vernichten wird. Seinen Hauptzweck hat das Gift damit erreicht: Kein Blatt soll mehr die heimlichen Wege des kommunistischen Vietcong durch den Dschungel schützen. Und auch die daraus resultierenden Ernteausfälle sind willkommen, treiben sie doch die Bauern aus dem Norden des Lands vermeintlich in das mit den USA verbündete Südvietnam.

Die schleichende Gefahr

Mehr als 70 Millionen Liter Chemikalien, meist Agent Orange, werden von 1961 bis 1971 über Vietnam und den Grenzregionen von Kambodscha und Laos abgeworfen, obwohl Mediziner bereits 1966 langfristige Schäden am Menschen vermuten. Zu Recht, denn das Entlaubungsmittel ist mit dem Supergift Dioxin verseucht.

Zwei bis fünf Millionen Vietnamesen kommen direkt mit Agent Orange in Kontakt, und ahnen nichts von den Folgen. Krebs, Missbildungen, Immunschwäche und vor allem Erbgutveränderungen treten von nun an immer häufiger auf.

Kein Geld für die Opfer

Auf Schadenersatz dürfen die Betroffenen allerdings nicht hoffen. Auch 30 Jahre nach Ende des Kriegs sieht die Regierung der USA „keine Beweise für einen direkten Zusammenhang zwischen Agent Orange und den Gesundheitsproblemen“. Erst in den letzten Jahren wird zögerlich eingeräumt, dass eventuell Zusammenhänge zwischen Dioxinkontakt und diversen Erkrankungen möglich seien. Der Grund ist einfach: Man befürchtet enorme Schadenersatzforderungen. Schließlich sind es laut des vietnamesischen Roten Kreuzes immerhin gut eine Million Menschen, die an den Spätschäden des Dioxins leiden. Ein Zehntel davon Kinder, die erst nach dem Krieg geboren wurden, aber an teils sehr schweren Missbildungen leiden. Dazu kommen amerikanische Kriegsveteranen, die dem Gift ausgesetzt waren. Ein Ende ist erst einmal nicht in Sicht, denn noch immer wird auf den teils schwer verseuchten Böden gezwungermaßen Nahrung angebaut.

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Françoise Hauser