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Stichwort Asien: Guru
Es waren die 1960er Jahre, als die Künstler Europas den indischen Guru entdeckten. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens gehörte es fast zum guten Ton, sich unter der Anleitung eines Gurus eine mehr oder minder lange Zeit mit fernöstlichen Philosophien zu beschäftigen. Die Beatles beispielsweise ließen sich von Maharishi Mahesh Yogi in „transzendentaler Meditation“ unterweisen, die unter anderem mit der Fähigkeit, im Schneidersitz zu fliegen, lockt.
Der Weg ins Licht
Die Grundidee jedoch ist alt, denn im Grunde genommen bedeutet „Guru“ nur eines: Lehrer. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Worten Gu (Dunkelheit) und Ru (Licht) zusammen. Der Guru führt also aus der Dunkelheit ins Licht. Er muss daher nicht unbedingt ein religiöser Lehrmeister sein (obwohl er es meist ist) und könnte sich auch hinter den Begriffen Yogi oder Swami verbergen. Meist handelt es sich um religiöse Lehrmeister des Hinduismus oder der Sikh-Religion. Doch auch andere, meist kleine Glaubensschulen kennen den Guru. Oft ist er es selbst, der eine solche Schule gründet und sich fortan verehren lässt.
Dass sich die Idee des Gurus gerade inAsien entwickelte, ist kein Zufall: Im Gegensatz zu den Offenbarungsreligionen Christentum und Islam, die eine genaue Anleitung für das korrekte Leben beinhalten, muss sich in den fernöstlichen Lehren jeder Mensch seine Erkenntnis selbst erarbeiten. Die Hilfe eines Gurus, eines Menschen also, der in diesem Prozess vermeintlich schon weiter fortgeschritten ist, kann dabei durchaus nützlich sein.
Zwischen Meister und Scharlatan
Hierzulande ist der Begriff „Guru“ oft recht negativ oder humoresk belegt: Die Sinnsuche in fernöstlichen Gefilden ist geradezu eine Einladung an allerhand Scharlatane, die nicht nur ihren Anhängern zur Erleuchtung verhelfen, sondern auch sich selbst zu viel weltlicher Macht und prallen Bankkonten. Das Vermögen des ehemaligen Beatles-Gurus soll heute jedenfalls die Reichtümer Paul McCartneys um einiges übertreffen. Die Unterscheidung zwischen gut und schlecht ist dabei rein subjektiv. Gerade weil sich in asiatischen Religionen jeder selbst um die eigene Erkenntnis bemühen muss, gibt es keinen objektiven Kriterien-Katalog, anhand dessen sich die Leistung eines Gurus messen ließe. Etwas Mystisches wird diesem Begriff immer anhaften. Und schon deshalb kennen wir zwar einen Computer- oder Mode-Guru (beides erscheint uns nach wie vor irgendwie unerklärlich), aber sicher keinen Häkel-Guru.


