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Stichwort Asien: Die Viererbande
Von Anfang an traf Maos vierte Ehefrau, die Schauspielerin Jiang Qing, nicht auf die Zustimmung der Partei. Nur unter der Prämisse, sie habe sich zukünftig aus allen politischen Fragen herauszuhalten, erhielt er 1939 die Erlaubnis zur Heirat. Lange Zeit blieb Jiang weisungsgemäß im Hintergrund, während Mao zum wichtigsten Mann im Staate aufstieg. Als seine Position Ende der sechziger Jahre zu wanken begann, rief er die „große proletarische Kulturrevolution“ aus, eine Massenbewegung, die unter dem Deckmantel der ideologischen Bereinigung vor allem seine Gegner aus allen wichtigen Positionen entfernen sollte. Bald geriet die Kulturrevolution außer Kontrolle und stürzte das Land in ein zehnjähriges Chaos.
Von der Hausfrau zur revolutionären Leitfigur
Immer mehr drängte sich nun auch Jiang in den Vordergrund. Zusammen mit ihren Mitstreitern, dem Shanghaier Propagandabeamten Zhang Chunqiao, dem Literaturkritiker Yao Wenyuan und dem Sicherheitsbeamten Wang Hongwen vertrat sie eine besonders harte Linie vermeintlich „roter Politik“: Immer strenger, immer härter sollten die jugendlichen „Roten Garden“ ideologische Abweichler im Volk verfolgen. Zwischen 10 und 20 Millionen Menschen kamen in den Verhören und Kämpfen der Kulturrevolution ums Leben! Als so genannte „Viererbande“ war die Gruppe um Jiang bald zu den wichtigsten Figuren der chinesischen Politik geworden. In wie weit der alternde und zuletzt schlichtweg senile Mao mit dieser Politik einverstanden war, lässt sich heute leider nicht mehr feststellen.
Der rote Stern stürzt
Mit seinem Tode 1976 sank allerdings auch der Stern der Viererbande. Der neue Parteivorsitzende Hua Guofeng ließ sie verhaften und in Schauprozessen vorführen. Maos Politik der letzten Jahre konnte und wollte er nicht offiziell verurteilen, und so musste die Viererbande – wenn auch keinesfalls unschuldig – überproportional für alle Fehler der vergangenen zehn Jahre herhalten. Jiang und Zhang, 1981 ursprünglich zum Tode verurteilt, wurden zu lebenslänglich begnadigt, Yao und Wang erhielten lange Haftstrafen. 1991 erhielt Jiang aus medizinischen Gründen Hafturlaub, in dessen Verlauf sie sich das Leben nahm.
Françoise Hauser


