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Stichwort Asien: Rote Khmer

In nur vier Jahren löschten sie ein Viertel der kambodschanischen Bevölkerung aus, zerstörten die Infrastruktur und vernichteten das Bildwesen. Als „Steinzeitkommunisten“ fanden sie ihren Weg in die europäischen Medien – und sind heute dennoch zu großen Teilen auf freiem Fuß. Wer sind die einstigen Herrscher Kambodschas?

Der Aufstieg der „Roten Khmer“ beginnt zu Zeiten des Vietnamkrieges: 1970 stürzt der von den USA gestützte General Lon Nol den Herrscher Prinz Sihanouk und gestattet den US-Truppen fortan, den Vietnamkrieg auch von kambodschanischem Boden aus zu führen. Bis 1973 fallen dabei mehr als 700.000 Tonnen Bomben auf kambodschanisches Gebiet. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in das Lager der oppositionellen Roten Khmer wechseln, deren Politik sich offiziell an die Linie des Vietcong anlehnt. Als es ihnen nach mehreren Jahren des Bürgerkrieges 1975 gelingt, auch die Hauptstadt einzunehmen, wird die „Demokratische Republik Kambodscha“ ausgerufen.

Bildung bedeutet Tod

Schnell zeigt sich, dass die Khmer Rouges unter dem Regierungschef Pol Pot keineswegs als Befreier angerückt sind: Die Bourgeoisie des Landes, Intellektuelle und politische Gegner werden sprichwörtlich vernichtet, alle Stadtbewohner aufs Land befohlen. Bücher, Geld, Bildung, Schulen, medizinische Versorgung – all dies gehört nun der Vergangenheit an. Schon simple Fähigkeiten wie Lesen und Schreiben können das Todesurteil bedeuten. Während die Städte verwaisen, verwandelt sich Kambodscha in ein gigantisches Arbeitslager. Die Wirtschaft bricht in kürzester Zeit zusammen. Zu den brutalen Übergriffen der Roten Khmer kommen nun auch Hungersnöte. Gut 1,5 Millionen Todesopfer dürfte die Herrschaft der Roten Khmer gekostet haben.

Von Vietnam vertrieben

1979 interveniert die vietnamesische Regierung, erobert Kambodscha und setzt dem Morden ein Ende. International erhält es dafür wenig Beifall und wird als Besatzer geächtet. Bis in die Mitte der 80er Jahre kommt es zu heftigen Kämpfen mit Roten Khmer, die von thailändischem Gebiet aus operieren – nicht zuletzt dank der internationalen Unterstützung, die den Roten Khmer teils noch immer widerfährt.

1989 ziehen sich die vietnamesischen Truppen aus Kambodscha zurück – und wieder flammt der Bürgerkrieg auf. Erst 1998 kapitulieren offiziell die letzten Verbände, nachdem ihnen eine Amnestie versprochen wurde. Die überlebenden Roten Khmer leben heute fast unbehelligt im Gebiet rund um Pailin an der thailändischen Grenze.

Françoise Hauser

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