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Stichwort Asien: Sikhs
Mit gerade einmal 550 Jahren ist die Religion der Sikhs noch relativ jung: Im 15. Jahrhundert wurde sie von Guru Nanak gegründet. Im Gegensatz zu ihren hinduistischen Nachbarn, glauben die Sikhs an einen einzigen Gott und setzen sich für die Gleichstellung aller Menschen ein. Auch dies steht in direktem Gegensatz zum Glauben der Hindus, deren Kastenwesen das Volk eindeutig und unveränderbar hierarchisch unterteilt. Ebenfalls ungewöhnlich ist die völlige Gleichstellung der Frau, die von Anfang an ein wichtiges Anliegen des Guru war. Die allgemeine Behauptung, der Sikhismus sein eine Mischung aus Hinduismus und Islam findet bei Sikhs übrigens wenig Anklang: Sie sehen sich als eigenständige Weltreligion.
Das geschriebene Oberhaupt
Bis ins 18. Jahrhundert stand ein Guru der Gemeinschaft der Sikhs vor. Der letzte jedoch, Guru Gobind Singh, übertrug seine spirituelle Autorität dem heiligen Buch des Sikhismus, dem "Guru Granth Sahib". Diese Sammlung diverser eigener Schriften, allesamt in Versform gehalten, enthält auch Texte aus anderen Religionen, die als wertvoll erachtetwurden. Obwohl der Goldene Tempel von Amritsar als religiöses und historisches Zentrum des Glaubens gilt, ist im Grunde genommen jeder Ort, an dem ein Guru Granth Sahib aufbewahrt wird, eine heilige Stätte. Priester und Mönche kennt dieser Glaube nicht: Jedes Mitglied kann die Gemeinde im Gebet leiten, Askese und Pilgerfahrten sind den Sikhs fremd. In Indien gelten sie übrigens als besonders kriegerisch und unkorrupt. Vielleicht stellen sie deshalb einen überproportionalen Teil der Streitkräfte und gehören im allgemeinen eher zu den wohlhabenderen Indern.
Am Haar zu erkennen
Heute gibt es weltweit gut 22 Millionen Sikhs, wovon die Mehrheit noch immer in der Herkunftsregion Punjab lebt. Männliche Sikhs sind in der Regel leicht an den fünf Glaubenssymbolen "Kakkar" zu erkennen: Da sie weder Kopf- noch Bartharr schneiden dürfen, tragen Sikhs einen Dutt unter ihrem Turban (Kesh), dazu einen Holzkamm (Kangha), einen Stahl-Armreif (Kara), ein Schwert (Kirpan) und statt des typisch indischen Lendentuckes eine Kniehose (Kuccha). Im modernen Leben wird das Schwert oft durch eine schwertförmige Turbanschnalle ersetzt. Wer in Indien nach prominenten Sikhs Ausschau hält, muss nicht weit blicken: Auch der Premierminister Manmohan Singh gehört zu dieser Gemeinschaft.
Francoise Hauser


