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Stichwort Asien: Rikscha

Sie gelten als Sinnbild des ausgebeuteten Asien und Symbol inhumaner Arbeitsbedingungen: In der Tat führen noch immer viele Rikscha-Kulis ein erbärmliches Leben. Geradezu skurril muss es in ihren Augen erscheinen, dass man heute in Europa wieder große Hoffnungen auf die Rikscha setzt

Die Rikscha? Aus China natürlich. Stimmt übrigens nicht: Erfunden wurde sie 1870 in Tokyo, wo sie auch ihren Namen „Jin-Riki-Sha“ (Mensch-Kraft-Wagen) erhielt. Von hier gelangte sie 1874 nach Shanghai, wo menschliche Arbeitskraft kaum einen Pfifferling wert war und daher nur zu gerne für den Transport genutzt wurde. Bald wimmelte es in den Straßen von den wendigen Gefährten.

Von China nach überall

Von hier aus trat die Rikscha ihren Siegeszug an: Über Indien, wo sie in den 1880ern Einzug hielt, gelangte sie in fast alle Länder Asiens. Besonders bedeutsam waren dabei technische Veränderungen in den 1920ern und 1930ern, die letztlich in der Erfindung der Fahrradrikscha mündeten. Diese war so erfolgreich, dass mittlerweile nur noch in Kalkutta Menschen-gezogene Rikschas eingesetzt werden. Insgesamt gibt es heute gut vier Millionen Rikschas weltweit, davon allein 200.000 im kleinen Bangladesh, wo sich fast eine halbe Million Menschen als Rikscha-Fahrer (Wallahs) verdingen. Dass sie heute als Sinnbild der unterdrückten Massen herhalten müssen, hat vor allem mit den miserablen Arbeitsbedingungen zu tun: Kaum ein Wallah besitzt seine eigene Rikscha. Gegen horrende Beteiligungen müssen die Gefährte angemietet werden, so dass der Verdienst kaum zum überleben reicht. Auch in den anderen Ländern Asiens ist die Situation kaum besser. Da wundert es nicht, dass viele Regierungen versuchen, die Rikschas kurzerhand abzuschaffen. Freilich ohne den Wallahs adequate Ersatz-Jobs anzubieten. Die motorisierte Variante, wie beispielsweise die thailändischen Tuk-Tuks, scheint anbetracht der Luftverschmutzung asiatischer Großstädte keine besonders glückliche Alternative.

Von Tokyo nach Berlin

Vom politischen Ballast befreit, präsentiert sich die Rikscha heute, angesichts dringender Umweltprobleme, wieder in positiverem Licht. Preislich auch für finanzschwache Passagiere erschwinglich und von reiner Muskelkraft betrieben, könnten sie die Luftverschmutzung reduzieren. Bessere Arbeitsbedingungen vorausgesetzt, scheint sie durchaus nicht mehr als die schlechteste Verkehrsvariante. Kein Wunder, dass die Rikschas als umweltfreundliche Velotaxen (wenn auch in modernerem Design) seit einigen Jahren die europäischen Innenstädte erobern.

Francoise Hauser

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