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Stichwort Asien: Pagode
China, Japan, Korea, Vietnam – würde man in Europa Menschen willkürlich nach ihrer spontanen architektonischen Assoziation fragen, käme sicher die Pagode zur Sprache. Dabei stammt sie ursprünglich noch nicht einmal aus dieser Region. Ihre Wurzeln liegen in Indien, wo die „Stupa“ mit ihrer typischen halbrunden Form und einer gen Himmel gerichteten Spitze als sakrales Gebäude weit verbreitet war. Betreten konnte man sie allerdings nicht, denn meist handelte es sich um eine Grabstätte.
Buddhistischer Trittbrettfahrer
Erst als sich der Buddhismus im ersten Jahrhundert von Indien aus gen Osten ausbreitete, kam auch die Pagode auf. Adaptiert an den lokalen Geschmack, veränderte die Stupa ihre Form und wuchs geradezu in den Himmel: Bis zu 15 Stockwerke konnten diese schlanken Gebäude nun haben, die meist in Tempelanlagen zu finden waren. In Birma, Thailand, Laos, Kambodscha erinnern die runden Formen auch heute noch ein wenig an ihre indischen Vorgänger, während sich in China, Japan und Korea die schmalen Türme mit geschwungenen Dächern durchsetzten. Nur die wenigsten dieser frühen, hölzernen Exemplare haben jedoch die Zeit überdauert: Was nicht den Termiten oder anderen Insekten anheim fiel, wurde oft durch Blitzschlag zerstört. Früh fing man daher in Ostasien an, mit Stein zu bauen, schließlich wurden hier oft auch religiöse Dokumente aufbewahrt.
Alles in allem blieb die Pagode aber ein recht „unpraktisches Gebäude“. Zwar wird hier noch immer im Erdgeschoss eine Buddha-Statue untergebracht, doch der wirklich nutzbare Platz ist sehr begrenzt. Um die Bedeutung des Buddhismus zu unterstreichen, baute man in die Höhe. Ein Umstand den die meisten Touristen heute zu schätzen wissen, bieten sie doch meist einen wunderbaren Ausblick ins Umland.
Auch in Europa
Während die Herkunft der Gebäudeform eindeutig scheint, liegt die Herkunft des Begriffs „Pagode“ übrigens noch im Dunkeln. Vielleicht stammt er aus dem tamilischen „Pagavadi“ oder dem Sanskrit „Bhagavat“ für „Göttin“. Vielleicht stand aber auch das chinesische Wort „ba jiao ta“ Pate, das sich mit achteckiger Turm übersetzten ließ. Zur Zeit der ersten intensiven Europa-China-Kontakte in der Ming- und Qing-Dynastie, war dieser Pagoden-Stil in China sehr beliebt.
Wer sich selbst eine Pagode näher anschauen möchte, muss oft gar nicht weit reisen: Beeindruckt von den exotischen Türmchen, fand die Pagode auch in Europa Nachahmer. Im Kew Gardens, London, beispielsweise wurde 1762 ein zehnstöckiger Turm fertig gestellt, eine kleinere Version davon entstand 1790 im chinesischen Garten in München.
Francoise Hauser


