Stichwort Asien: Qi
Es ist unsichtbar, wissenschaftlich nicht nachweisbar, nicht einmal fühlen kann man es. Trotzdem gilt das Qi in Ostasiasen als Grundlage allen Lebens Und „wichtig“ ausgesprochen wird. Das i ist Entlang der unsichtbaren „Meridiane“ durchflutet der „Lebenshauch“ Qi den menschlichen Körper und versorgt so die Organe mit lebensnotwendiger Energie. Gerät dieser Fluss ins Stocken oder wird zuviel Energie transportiert, erkranken die Organe entlang des betroffenen Meridians. Dem Qi kommt daher in der chinesischen Medizin eine zentrale Rolle zu. Doch das Qi ist mehr als das: Alles Leben der Welt, ja die Erde selbst ist durch das Qi beseelt. Ein Blick ins chinesische Wörterbuch verrät weitere Konnotationen: Als Atem, Luft, Atmosphäre, aber auch Lebenskraft wird das kleine Wort übersetzt und erscheint in vielen Redewendungen. Wer ärgerlich ist (sheng-qi), ist wortwörtlich gerade dabei Qi zu gebären. Ein wirklich zutreffendes Bild!
Nichts vergeuden
Von Geburt an ist der Mensch mit einer Art „Ur-Qi“ ausgestattet, das nicht mehr auffüllbar ist und daher nicht durch Hungerkuren gedankenlos aufgebraucht werden sollte. Dieses innere Qi (Neiqi) muss erhalten und gestärkt werden, während das äußere Qi (Waiqi) durch Nahrung und Atem zugeführt wird. Kein Wunder, dass sich viele Lehren diesen Aspekten widmen. Die Meditations- und Bewegungsübungen des Qigong zum Beispiel, aber auch zahlreiche Ernährungslehren. Hierzulande besonders beliebt ist derzeit die chinesische Geomantik Fengshui, deren Grundziel es ist, die Energieströme in der Landschaft, Wohnung, ja selbst im Straßenverkehr so günstig zu lenken, dass sie dem Menschen zugute kommen. Ist das Gleichgewicht im Körper aus den Fugen geraten, greifen medizinische Disziplinen wie Akupunktur, Moxibustion oder Tuina-Massage ein, um den Fluss des Qi wieder zu harmonisieren.
Solange es wirkt
Wissenschaftlich nachweisbar ist das Qi bisher freilich nicht. Ein Faktum, das in China nicht gerade für Aufregung sorgt. Solange traditionelle chinesische Medizin, Qigong und Fengshui für ohlbefinden sorgen, ist diese Frage definitiv zweitrangig. Gerade deshalb lässt sich mit dem Begriff auch allerhand Schabernack treiben: Demonstrationen, wie per Qi-Kraft Gegenstände ohne Berührung bewegt werden können, sind nicht im Sinne der klassischen chinesischen Interpretation, sondern entspringen wohl eher der alten menschlichen Sehnsucht nach Unbesiegbarkeit und Mystik.


