Stichwort Asien: Dschunke
Wer bei dem Begriff „Dschunke“ automatisch an kleine, malerische Boote denkt, irrt: Es war eine Armada von Dschunken, die der Admiral Zheng He zu Beginn des 15. Jahrhunderts bis nach Afrika führte, mit Schiffen von bis zu 130 Metern Länge und neun Masten – gigantische Kähne, die selbst Kolumbus’ Flotte geradezu mickrig erscheinen ließ. Auch große Überseestrecken ließen sich mit diesen Schiffen problemlos bewältigen: Chinesische Händler nutzten die Monsunwinde und brachten Seide, Tee, Gewürze und Porzellan bis ins heutige Vietnam, Thailand, Myanmar (Burma) und Malaysia.
Schnell – aber nicht erlaubt
Generell ist das Wort Dschunke einfach der Überbegriff für chinesische Segelschiffe: Allesamt flache Kastenboote ohne Kiel und mit relativ geraden Seitenwänden, stumpfem Bug und Heck. Ihre Segel bestehen meist aus Bambus- oder Reismatten, die sich schneller raffen lassen als die Alternative aus Stoff. Mehr als 1.500 Jahre vor ihren europäischen Konkurrenten verfügten die Dschunken bereits über axiale Heckruder, und selbst die wasserdichten Querschotten wurden schon im 2. Jahrhundert eingeführt. In den letzten Jahrhunderten hatten sich Form und Ausstattung der Dschunken kaum noch weiterentwickelt – was sicher auch daran gelegen haben mag, dass der chinesische Kaiserhof zu Beginn des 16. Jahrhunderts nicht nur Auslandsreisen und Überseefahrten verbieten ließ, sondern auch die Konstruktion meerestüchtiger Schiffe mit mehr als zwei Masten. Auch wenn sich nicht alle Händler daran hielten – dies war sicher kein innovatives Klima für den Schiffsbau. International war sie danach eher selten unterwegs. Vielleicht wird sie deshalb gerne mit dem erheblich kleineren Sampan verwechselt, einem Plankenboot, das meist in der Fischerei Verwendung findet.
Der deutsche Ausdruck „Dschunke“ stammt nicht vom chinesischen Original Rongke Chuan, sondern dem malaiischen Wort jong, das im englischen zu junk wurde und so seinen Weg nach Deutschland fand.


