Gong

Schülerscharen warten tagtäglich sehnsüchtig darauf, dass er zur Pause schlägt, und in so manchem Büro leitet der Gongschlag ein wichtiges Meeting ein. In seiner Heimat Südostasien spielt der Gong eine weitaus tiefgründigere Rolle

Wo genau in Südostasien die ersten Gongs entstanden sind, ist nicht eindeutig geklärt. Tatsache ist jedoch, dass er in allen südostasiatischen Ländern entweder in der Tempelkultur, im Theater oder in der traditionellen Musik eine feste Größe ist – so zum Beispiel in Indonesien. Ob auf Bali, Madura oder Java – überall haben Gongs ihren großen Auftritt im Gamelan, einer dort verbreiteten Ensembleform. Zusammen mit Metallophonen, Xylophonen, Zithern, Trommeln, Spießgeigen und begleitet von Sängern und Tänzern werden die Gongs zu verschiedenen Anlässen wie Hochzeit, religiösen Feiern oder zum Schattenspiel gespielt. Dabei sollen die Gamelan-Rhythmen die Gemütszustände von Göttern und Dämonen sowie deren Handlungsmotive widerspiegeln. Die Klänge der Gonginstrumente teilen die Komposition in Abschnitte ein und markieren Phrasenenden.

Klingende Zwerge und Giganten

Damit das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten harmonisch funktioniert, können die Gongs gestimmt werden. Dazu wird in der Mitte der aus Bronze oder einer Bronzelegierung geschmiedeten Klangschalen eine Kuppel herausgetrieben. Wird diese Höhlung verändert, verändert sich auch der Klang. Es gilt jedoch die Regel, je größer der Gong, desto tiefer klingt er. Entsprechend sind die kleinen für die hohen Töne zuständig. Den Ausmaßen scheinen in beide Richtungen kaum Grenzen gesetzt zu sein. Die kleinsten Exemplare haben einen Durchmesser von 10 Zentimetern und wiegen nur knapp 100 Gramm, während in Tempeln vorzufindende Schwergewichte bis zu drei Meter groß und 20 Zentner schwer sein können.

Weltkulturerbe Gong

Sehr eng verbunden ist die Gong-Kultur auch mit dem Leben der Menschen im zentralen Hochland Vietnams. Die UNESCO hat die dortige Gong-Kultur 2005 zu den „Meisterwerken des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ erklärt. Nach dem Glauben der dort lebenden Menschen spricht das Instrument eine besondere Sprache zwischen Menschen, Gottheiten und der übernatürlichen Welt. Hinter jedem Gong soll sich eine Gottheit verbergen, die immer mächtiger wird, je älter der Gong ist. Früher besaß deshalb jede Familie mindestens einen als Schutz und als Zeichen von Reichtum und Autorität.

Die enorme Bedeutung des Gongs für die vietnamesische Dorfgemeinschaft zeigt sich auch daran, dass er bei allen Ritualen zum Einsatz kommt, ob bei Opferung eines Ochsen, der Segnung des Reises oder bei einer Trauerzeremonie. Dabei spielen – je nach Dorfgemeinschaft – drei bis zwölf Spieler auf je einem Gong in der Größe zwischen 25 und 80 Zentimeter Durchmesser.

In den letzten Jahrzehnten ging hier jedoch viel Wissen um die Gong-Kultur verloren, da die älteren Kunsthandwerker starben und sich junge Menschen stärker für die westliche Kultur interessieren. So kommt es mitunter vor, dass Gongs statt an geweihter Stätte beim Recyclinghändler landen.

Tanja Schrade

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