Ninja

Schnell, lautlos, geheimnisvoll und todbringend: der Ninja. Den Kämpfer aus dem feudalen Japan umgibt eine mystische Aura, spielte sich sein Tun doch meist im Verborgenen ab

Schwarz vermummt schleicht er durch die nächtliche Landschaft. Bis der Feind ihn bemerkt hat, ist es schon zu spät. So kämpft der Ninja – jedenfalls in der Vorstellung von Hollywood-Regisseuren und Romanautoren. Das tatsächliche „Berufsbild“ könnte ganz anders ausgesehen haben. Es gibt nur wenige historische Schriften über die Ninja, da ihre Kunst über Jahrhunderte geheimgehalten wurde und es fast nur mündliche Überlieferungen gibt. Der Begriff Ninja bezeichnet einen Krieger, der als Kundschafter, Spion, Saboteur oder Auftragsmörder/Attentäter eingesetzt wurde und dabei spezielle Kampftechniken einsetzte. Andere Quellen verweisen allerdings darauf, dass der Titel Ninja eine Klanzugehörigkeit bezeichnet und nicht eine Funktionsausübung.

Die Ursprünge der Ninja-Philosphie liegen in China. Der Militärtaktiker Sun Tzu schrieb im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr. „Die Kunst des Krieges“. Darin widmete er sich in einem Kapitel ausführlich der Spionage, Irreführung und Täuschung sowie deren Nutzen bei der Kriegsführung. Das Schriftstück gelang vermutlich durch chinesische Einwanderer nach Japan und fand langsam Einzug in die japanische Kriegskunst, die Bujutsu. Auf japanisch ist das Wort Ninja gleichzusetzen mit Shinobi (übersetzt: „schleichen, auf leisen Sohlen“). „Jutsu“ kann mit Methode oder Kunst übersetzt werden. Ninjutsu ist sozusagen „Die Methode des Schleichens“ oder auch „Die Kunst des Spionierens und heimlichen Ermordens“.

Die Ninja verfügten über ein breit gefächertes Waffenarsenal. Unter anderem benutzten sie Pfeil und Bogen, Handfeuerwaffen, Sprengpulver, Gifte oder auch die typischen, gebogenen Lang- und Kurzschwerter, Katana und Wakizashi. Die Ninja waren wohl ausgesprochene Technikfreaks. Waffentechnische Neuerungen, etwa die legendären sternförmigen Wurfmesser („Ninjasterne“) setzten sie ein, um ihre Gegner zu überraschen. Laut Überlieferungen trugen die Ninja in der Schlacht eine Samurai-Rüstung oder Kettenhemden. Waren sie als Kundschafter und Spione unterwegs, kleideten sie sich wie die ortsansässige Bevölkerung und gaben sich als Bauern, Wandermönche oder Händler aus, um nicht aufzufallen.

Ein „schickes“ schwarzes Outfit, wie oftmals in Filmen suggeriert, entspricht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht den Tatsachen. Selbst in der Nacht würde Schwarz zu harte Schatten werfen und eine komplette Gesichtsmaske würde die Geräusche dämpfen, was die Wachsamkeit verschlechtern würde. Auch trug der Ninja vermutlich sein Schwert nicht auf dem Rücken, sonder eher wie ein Samurai im Gürtel.

Die Blütezeit der Ninja ist in der Kamakura-Periode von 1185 bis 1333 anzusiedeln. Japan war zu dieser Zeit geprägt von verheerenden Bürgerkriegen. Die Daimyos (lokale Herrscher im feudalen Japan) lieferten sich erbitterte Kämpfe. Die Nachfrage nach der Kunst der „schleichenden Kämpfer“ war hoch. Die Ninja kämpften damals oft Seite an Seite mit den Samurai, eine Fehde zwischen den beiden Kriegerkasten ist also ebenfalls eher ein moderner Hollywood-Mythos als historisch belegt.

Julia Rosenberger
Der Artikel ist erschienen in inAsien, Ausgabe 2/09

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