Mantra
„Om sobhawa shuddha sarwa dharma sobhawa shuddho Ham“ hallt es durch den Raum. Ein Gläubiger lässt ein Mantra über seine Lippen fließen. In der indischen Kosmologie ist alles Klang, jede Gottheit, jedes Lebewesen, jedes Ding hat seinen eigenen, unverwechselbaren Laut. Selbst in unserem Innern sitzen diese Schwingungen, diese Urklänge. Allerdings werden sie im Alltag normalerweise nicht wahr genommen. Mantras helfen, in diese Welt der Inneren Klänge vorzudringen und Energien freizusetzen. Die aus dem Sanskrit überlieferten Mantras sollten darum auch nicht übersetzt werden, da sie auf dem Klang basieren und ihre Kraft sonst nicht wirken kann.
Der Begriff Mantra kommt aus dem Sanskrit und setzt sich zusammen aus den Wurzeln der Wörter „Manas“ und „tram“. „Manas“ bedeutet Denken, Verstand, Seele, das was den Menschen ausmacht. „Tram“ steht für beschützende, rettende, haltende Kraft. Die Tradition der Mantras entstammt der alten vedischen Zeit und hat sich über die Jahrhunderte hinweg entwickelt und fortgesetzt. Auch Buddhisten benutzen Mantras, um in ihr Innerstes vorzudringen: „Om mani padme Hum – Verbeugung vor dem Juwel des Bewusstseins, der auf dem Lotus des Herzens sitzt“ ist eines aus dem tibetischen Buddhismus, das für das tiefe Mitgefühl steht.
Die Quelle aller Töne
Vom bekanntesten aller Mantras haben sicherlich auch Laien schon gehört. Es ist das Om. Diese einfache Silbe trägt den Veden zufolge den göttlichen Klang und somit die Kraft der Schöpfung in sich. Sie ist sozusagen der Ursprung aller Klänge. Das Om setzt sich phonetisch aus den Buchstaben A-U-M zusammen. Diese drei Buchstaben stehen jeweils für eine Bewusstseinsebene: A repräsentiert den Wachzustand (Vaisvanara), U steht für den Traumzustand (Taijasa) und M verkörpert den Zustand im Tiefschlaf (Prajna). Om steht oftmals zu Beginn eines Mantras und gehört zu den sogenannten Keimsilben (Bija-Mantra). Die Bija-Mantras haben keine übersetzbare Bedeutung, dafür sollen sie starke Schwingungsenergien besitzen. Häufig beziehen sich die Keimsilben auf Gottheiten oder deren Eigenschaften. Om gilt zudem als besonders wirksame spirituelle Übung im Yoga.
Mantras und Meditation
Eine zentrale Rolle spielen Mantras in der Meditation. Mit ihrer Hilfe gewinnt der Meditierende auf dem Weg zur Selbstfindung Abstand zu den Sinneseindrücken. Sie sorgen für Entspannung und ein tiefes, inneres Glücksgefühl. Primär sind Meditationen mit Mantras also spirituelle Erfahrungen. Wichtig dabei ist, dass ein Mantra erlebt wird, die Klänge und Schwingungen gehört und gespürt werden. Erst dann setzten sich die spirituellen Energien der Wörter frei und können sich entfalten.


