Sarong
Einfach um die Hüften geschwungen, zugeknotet und schon ist man ausgehfertig, dem Sarong sei Dank. Nüchtern betrachtet ist der Sarong nicht mehr als ein langes Stück Stoff, das um die Hüften gewickelt und vorwiegend von Männern getragen wird. Nach traditionellem Regelwerk gewickelt reicht der Sarong bis zu den Füßen. Doch die Mode erlaubt auch die bis zu den Knien reichende Kurzversion, die für mehr Bewegungsfreiheit sorgt. Das Wickelgewand ist in Asien weit verbreitet, insbesondere in Sri Lanka, Südindien, Myanmar, Südthailand, Malaysia und Indonesien wird er tagtäglich getragen. Aber auch in Afrika und auf der arabischen Halbinsel ist der Sarong Teil der traditionellen Garderobe.
Ein Kleidungsstück mit „Tragweite“
Das Wort Sarong stammt aus dem Sanskrit und leitet sich von dem Begriff Saranga ab. Es bedeutet in erster Linie „vielfarbig“, aber auch „Kleidungsstück“. Je nach Region variiert der Sarong in seinem Aussehen, in Bedeutung und seiner Bezeichnung. In Myanmar beispielsweise ist der traditionelle Wickelrock unter dem Namen Longyi bekannt und wird von Männern und Frauen getragen. Im südindischen Bundesstaat Kerala wiederum wird der Sarong als Mundu bezeichnet. In schlichtem Weiß wird der Mundu hauptsächlich zu zeremoniellen oder religiösen Anlässen angelegt. Bunte Sarongs heißen dort Kaily. In Sri Lanka ist der Wickelrock eine reine Männersache. Zwar gilt der Sarong als alltägliches Kleidungsstück, doch die Oberschicht trägt ihn oftmals nur als Schlaf- oder Hausbekleidung. In der Öffentlichkeit trägt der feine Herr Hose. Die malaysischen Männer bevorzugen es ebenfalls, ihren Sarong zu Hause zu tragen. Allerdings wird er jeden Freitag zum Moscheebesuch ausgepackt. Für die malaysischen Frauen hingegen gehört der Wickelrock zu Alltagsgarderobe. Für festliche Anlässe trägt Frau zu ihrem Sarong eine sogenannte Kebaya, eine traditionelle Bluse. In Europa und Nordamerika ist der bunte Wickelrock auch ein beliebtes Kleidungsstück, insbesondere dann, wenn es zum Strand geht. Allerdings haben die luftigen Tücher meist nicht viel mehr mit den traditionellen Sarongs gemein, da sie oft mit Fransen oder modischen Glitzersteinchen verziert sind.
Java bringt die Farbe ins Spiel
Ein Sarong ist in vielen bunten Farben und Mustern erhältlich. Seine charakteristischen Muster und Motive bekommt das große Wickeltuch oft durch die Batiktechnik. Auch das Färbeverfahren, das zu Hippiezeiten seinen Siegeszug um die Welt antrat, kommt übrigens aus Asien – von der indonesischen Insel Java. Hier steckt allerdings deutlich mehr Kniff dahinter, als einfach nur Stoff in einen Farbeimer zu tunken. Die Muster und Verzierungen werden in Handarbeit mit flüssigem Wachs auf das Gewebe aufgetragen. So sind die Stellen abgedeckt und nehmen beim anschließenden Färben keine Farbe auf. Am Ende wird das Wachs herausgebügelt. Mehr als 1.000 Jahre soll diese Technik in Asien im Einsatz sein.
Julia Rosenberger
Der Artikel ist erschienen in inAsien, Ausgabe 4/2009


