Stichwort Asien: Karaoke

Was den Deutschen der Fußball, ist den Asiaten das Karaoke: Ein Volkssport, der nach Herzenslust in jedem Winkel der Region betrieben wird, egal ob Groß oder Klein, Jung oder Alt, Mann oder Frau

Für viele Europäer ist es trotz zahlloser Castingshows und Computerspiele noch immer ein Rätsel, mit welcher Hingabe Asiaten Karaoke singen. Ganz gleich, welches asiatische Land man bereist, ob Japan, Thailand, China, Korea oder auch Vietnam, überall wird mit Inbrunst gesungen – die Musikalität spielt dabei eine Nebenrolle.

Abgesehen von der stimmlichen Herausforderung wird von den Teilnehmern des Karaoke-Singens nicht mehr als etwas Mut verlangt: Auf einem Bildschirm läuft das entsprechende Musikvideo inklusive Text. Zur rechten Zeit färben sich die Liedzeilen ein, sodass die Amateursänger auch ja nicht ihren Einsatz verpassen oder gar zu schnell oder zu langsam losträllern. Übung ist dabei alles.

Exportschlager aus Japan

Die Erfindung und Bezeichnung des videounterstützten Singsports darf die Innovationsnation Japan für sich beanspruchen. Kara bedeutet im Japanischen „leer“, die Abkürzung Oke steht für Orchester. Daisuke Inoue heißt der findige Kopf, der die notwendige Technik austüftelte und gleich auch selbst bastelte. 1971 vermietete er seine ersten Karaoke- Maschinen an Bars in Kobe. Schnell entwickelte sich daraus ein Trend, der mittlerweile überall auf der Welt treue Anhänger hat. Auch in Deutschland gibt es immer mehr waschechte Karaoke-Bars, die sich einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuen. Nur an eines hatte Daisuke leider nicht gedacht: Eine Patentanmeldung hätte ihm sehr wahrscheinlich ein beträchtliches Vermögen eingebracht.

Übrigens bedeutet Karaoke singen in Japan nicht, dass man sich in einer Bar auf die Bühne vor lauter fremde Leute stellt und loslegt. Im Gegenteil, je nach Größe der zusammenkommenden Gesellschaft werden entsprechende Karaoke- Kabinen gemietet. So kann man in dieser Box mit Sofa ganz ungestört mit Freunden gemeinsam singen.

Volkssport auch im Reich der Mitte

Neben den Japanern sind insbesondere die Chinesen verrückt nach Karaoke. Dabei wird dem Singvergnügen nicht nur im Freundeskreis gefrönt. In China ist es auch üblich, den Geschäftspartner mit in eine Karaoke-Bar zu nehmen und dann gemeinsam ein Liedchen zu trällern. Das Ganze mag den Langnasen zwar anfangs etwas ungewohnt vorkommen, jedoch sollen einige hier bereits ihre Leidenschaft zum öffentlichen Singen entdeckt haben.

Allerdings sollte man im Reich der Mitte Vorsicht bei der Wahl des Etablissements walten lassen, denn einige der Bars bieten auch eine kostspielige weibliche Begleitung an. In der Regel ist der Besuch einer Karaoke-Kneipe allerdings kinderund jugendgerecht – denn auch die jungen Chinesen sollen schon früh an das gemeinschaftliche Singen rangeführt werden.

Aus inAsien, Ausgabe 1/2010
Autor: Julia Rosenberger

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