Ketchup
Ketchup kommt aus Amerika und Marktführer Heinz Ketchup ist der Erfinder – basta. Wahr ist, dass Henry John Heinz, Sohn deutscher Einwanderer aus der Pfalz, 1876 den Grundstein für den industriellen Erfolg des Ketchups in den USA legte. Aber Heinz ist eben nicht der Vater aller Tomatesaucen aus der Tube. Auch die Engländer, die Ketchup oder catchup schon vor Heinz in ihren Kochbüchern verewigten, könnten Anspruch auf die Erfindung erheben. Doch weil Heinz weiß was sich gehört, ist selbst auf der Internetseite des Ketchupimperiums zu lesen, wo der Ursprung der roten Sauce liegt – in Südostasien.
Sojabohnen und Fisch
Dokumentiert ist, dass bereits 1690 in China eine dunkle, gesüßte Sojasauce zum Fisch angeboten wurde – diese war weitläufig unter dem Namen ke tsiap bekannt. Saucen mit ähnlichen Namen gab es auch in anderen asiatischen Ländern, etwa kachiap in Thailand, ketjap in Indonesien oder kichop in Malaysia.
Während der englischen Kolonialzeit brachten findige Seefahrer die Sauce mit in ihre Heimatländer und so startete die westliche Erfolgsgeschichte des Ketchups in England. Dort wurde seit dem Ende des 17. Jahrhunderts catchup serviert, dessen Hauptzutaten Fisch, Walnüsse oder Pilze waren. Später benutzte man Kidneybohnen als Äquivalent zu den in Asien üblichen Sojabohnen. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts am man, womöglich inspiriert durch die italienische Tomatensauce, auf die Idee pürierte Tomaten als Basis zu benutzen.
heinz auf Flaschenjagd
Kurze Zeit später hatte Heinz dann den glänzenden Einfall und erfand das erste Ketchup in der Glasflasche. Für damalige Verhältnisse eine ebenso simple wie revolutionäre Idee, konnte man doch so die Qualität des Ketchups mit bloßem Auge erkennen. Vorher gab es das rote Gold lediglich in undurchsichtigen Fässchen. Nicht selten verwendeten die Produzenten grüne statt rote Tomaten oder griffen zu sonstigen minderwertigen, nicht überprüfbaren Zutaten. Mit der Glasflasche schaffte Heinz diese Unsicherheiten ab. Und da immer mehr Lebensmittelhersteller künstliche Aromen und Farbstoffe verwendeten, setzte sich Heinz für ein Reinheitsgebot ein, welches schließlich 1906 im US-Kongress verabschiedet wurde.
Der alte Henry John Heinz war zudem überzeugter Antialkoholiker und bekannt dafür, dass er in Bars und Kneipen auf Kontrollgang unterwegs war, um dafür zu sorgen, dass an diesen „zwielichtigen“ Orten keine Heinz Ketchup-Flaschen auf den Tischen standen. Wenn er welche fand, bezahlte er sie beim Wirt und nahm sie mit, um den guten Ruf seiner Produkte zu schützen. Heute findet man Heinz-Ketchup überall – auch in Südostasien.
Aus: inAsien, Ausgabe 2/2010
Autor: David Gutsche


