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Alle Asiaten sehen gleich aus
Die Berliner Polizei hat ein Problem: Das Wiedererkennen mutmaßlicher vietnamesischer Mitglieder der Zigarettenmafia gestaltet sich schwierig – sie ähneln sich „täuschend“ und tragen dazu häufig die gleichen zungenbrecherischen Namen. Eine Hürde, vor die nicht nur Polizisten gestellt werden. Wer sich einmal durch eine Gruppe japanischer Touristen gekämpft hat, wird das Gefühl der Orientierungslosigkeit kennen: dieselbe Körpergröße, mandelförmige Augen und schwarzes Haar, wohin der Blick fällt.
Hält man sich öfter in fernöstlicher Gesellschaft auf, werden aber Unterschiede deutlich. Studien zufolge ist die Anzahl der Unterscheidungsmerkmale bei Westlern und Asiaten in etwa gleich. Wir tun uns beim Auseinanderhalten von Asiaten so schwer, weil unser Bild von der Wirklichkeit stets eine Vereinfachung, quasi eine Karikatur ist. Als Erstes fällt uns an anderen Volksgruppen das auf, was wir nicht haben. So werden Asiaten von uns gern mal als „Schlitzaugen“ bezeichnet, während sie uns im Gegenzug „Langnasen“ titulieren.
Westler haben vor allem Kategorien wie Haar- und Augenfarbe, um einander zu unterscheiden. Dieses System können sie auf Asiaten nicht anwenden, da diese bei ihnen in der Regel gleich – also dunkel – sind. Umgekehrt haben für einen Asiaten, der zum ersten Mal nach Europa kommt, sämtliche Menschen dieselbe helle Haut und große Nasen. Die Differenzierung der „fremden“ Volksgruppe nach Haar- und Augenfarbe muss er sich erst aneignen. Genauso kann ein Europäer lernen, Asiaten etwa anhand der Gesichtsform zu erkennen.
Auch die vielen fernöstlichen Volksgruppen gleichen sich in einigen Merkmalen nicht. Fragt man einen Asiaten, wie er seine „Landsleute“ auseinander hält, tritt eine Fülle an Unterscheidungskategorien zutage. Die Chinesen etwa hätten eher kleine Augen, die Japaner besonders flache Gesichter, die Koreaner eine ziemlich kräftige Statur und die Indonesier eine relativ dunkle Hautfarbe. Generell sind die Völker Südostasiens wohl eher kleiner, dunkler und schlanker als die weiter nördlich lebenden.
Die Homogenität der glatten schwarzen Haare und dunklen Augen ist allerdings im Begriff, sich aufzulösen. Unter japanischen Jugendlichen ist es der letzte Schrei, die Augenfarbe durch Kontaktlinsen zu verändern und das Haar mit Dauerwellen und Tönungen zu bearbeiten. Einen blonden von einem rothaarigen Japaner zu unterscheiden, dürfte uns dann auch weitaus leichter fallen.
Jutta Maier
