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Stimmt's?
Folge 3: Asiaten können kein „R“ aussprechen
Mit über 1,3 Milliarden Menschen, die es sprechen, ist Chinesisch die am weitesten verbreitete Sprache im ostasiatischen Raum. In China kennt man zwar zwei Laute, die dem „R“ und „L“ entsprechen, allerdings wird das „R“ ganz anders ausgesprochen als bei uns. Eher so wie das englische „R“.
Im Prinzip ist jede Sprache von jedem Kind auf der Welt erlernbar. In diesem Überfluss an Möglichkeiten schränkt sich das Gehirn jedoch ein, um sich auf die Perfektion von nur einer Sprache zu spezialisieren. Gesteuert wird dieser Prozess durch die Ohren. So bilden sich bestimmte Hörgewohnheiten und damit auch die Aussprache heraus. Ein Versuch der amerikanischen Psychologin Dr. Alison Gopnik der University of California in Berkeley über kindliches Lernen im Jahr 2000 zeigte, dass sieben Monate alte japanische und amerikanische Babys noch gleich gut zwischen „R“ und „L“ unterschieden. Aber schon mit zehn Monaten konnten die japanischen Babys den Übergang von „R“ zu „L“ nicht mehr hören. In Japan kennt man nun keines der beiden problematischen Phoneme, sondern nur etwas Ähnliches, einen Laut dazwischen, quasi in der Mitte. Weil sich aber die Ohren mit der Zeit darauf spezialisieren, zuerst die Klänge der Muttersprache zu verstehen, werden fremde und dicht beieinanderliegende Laute später nicht mehr differenziert.
Für Chinesen und Japaner klingen „L“ und „R“ also erst einmal gleich, deshalb unterscheiden sie diese auch nicht in der Aussprache. Konsonanten und Vokale, aus denen Worte und Sprache letztlich bestehen, sind kurze und flüchtige Geräusche, die schnell wieder verklingen. Bestimmte Konsonanten rauschen in nur 40 Millisekunden vorbei, während manche Vokale 100 Millisekunden und länger tönen. Und die Hörfrequenz mancher Buchstaben ist sich sehr ähnlich. Das gibt es bei asiatischen Sprachen wie im Deutschen. Feine Unterschiede wie etwa zwischen den deutschen Wörtern Nadel und Nagel, Kanne und Tanne sind auch für uns schwierig herauszuhören. Manchmal klären sich die Begriffe nur durch den Satzzusammenhang. Andere Völker mögen unser deutsches Rachen-„R“ vielleicht auch eher wie ein Krächzen denn als Buchstaben empfinden. Man braucht also, um solche Sprachhindernisse zu finden, gar nicht so weit zu reisen. Die Mehrzahl der Deutschen beispielsweise, die von sich glauben, gut Englisch zu können, spricht Jazz und Chess gleich aus. Womit sich erhebliche Verwirrung stiften lässt, und solche Aussprachehürden führen dann auch oft zu komischen Situationen.
Das karikierte Bild des Asiaten aber, der grundsätzlich „R“ und „L“ verwechselt, stimmt so nicht. Professor Wippermann, Sinologin an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main, selbst mit einem Chinesen verheiratet, bestätigt das ebenfalls. Durch Schulung von Hörgewohnheiten und Übung der Aussprache können Chinesen wie Japaner sehr wohl ein deutsches Rachen-„R“ zustandebringen.
Gabi Heikamp


