Stimmt's?
Folge 5: Asiaten können nicht „Nein“ sagen
Ein nächtlicher Aufstieg zum Mount Bromo auf Java. Ganz beseelt von der Mondlandschaft machen wir uns zu Fuß auf den Rückweg – und verpassen die richtige Abzweigung. Zum Glück begegnen wir zwei jungen Männern auf einem Mofa. Sie zeigen uns den Weg – jeder zeigt in eine andere Richtung. Irritiert erkundigen wir uns, ob sie denn den Weg kennen würden und bekommen ein Lächeln zur Antwort. Die beiden einigen sich also auf eine Richtung. Nach einer weiteren Stunde Irrlauf dann die Erkenntnis. Man hat uns in die falsche Richtung geschickt.
Konfuzius ist Schuld!
Luat Nguyen ist Trainer für interkulturelle Schulungen von UU Consulting. Er hat eine Antwort darauf, warum aus Asiaten so schwer ein „Nein“ herauszubekommen ist. Der asiatischen Raum sei stark durch die Lehren Konfuzius’ geprägt. Respekt, Zurückhaltung und Bescheidenheit gelten als ein hohes Gebot. Um jeden Preis solle man gerade Fremde achten. Einem Fremden, der um etwas bittet, mit einem Nein zu begegnen, sei jedoch unverzeihlich und sehr unangenehm für beide Seiten. Wünsche und Forderungen des Gegenübers müssten sehr ernst genommen und dürften erst einmal nicht abgelehnt werden.
Insbesondere Fremden gegenüber bevorzugen Asiaten auf eine Frage oder Bitte statt eines „Nein“ ein versöhnliches „maybe“. Luat Nguyen sagt, „ein deutliches „Nein“ gibt es in unserer Kultur nur sehr selten“. Mehrdeutigkeiten und Ungereimtheiten werden von Asiaten eher akzeptiert als von Europäern. Es muss nicht immer ein klares „Nein“ sein. Will man eine Frage ablehnen, antwortet man mit einem Lächeln. Um dem Gegenüber Respekt zu zollen und sich selbst nicht in eine unangenehme Situation zu bringen, bedienen sich Asiaten deshalb gerne subtiler Gesten.
Die Könige der Ja-Sager
Auch die Japaner, die als „Könige“ des Ja-Sagens gelten, haben einige Ersatzstrategien für das „Nein-Sagen“ entwickelt, wie Jörg Pfannenberg, Geschäftsführer von JP:PR, aus eigener Erfahrung weiß. Um eine ablehnende Haltung zu kommunizieren, wechseln Japaner gerne das Thema, ändern die Tonlage, nutzen die Körpersprache oder verschieben die Entscheidung auf einen anderen Zeitpunkt. Das Problem sei jedoch, dass diese Ersatzstrategien von Europäern anfangs nicht als solche erkannt werden. Während man es hier als aufrichtig schätzt, Wünsche oder Anforderungen geradeheraus zu formulieren, gilt dies in Japan als unhöflich. Auch ein Grund, warum japanische Geschäftsessen immer länger dauern als deutsche. Man braucht einfach mehr Zeit, bis man weiß, was man voneinander will. Dennoch können beide Seiten voneinander lernen. Jörg Pfaffenberg hat beispielsweise die japanische und einst in Europa übliche Geste der leichten Verbeugung beim Bedanken wieder für sich entdeckt.
Annika Müller


