Business is back

Fast schon wollte die Airline-Branche die Business Class als Auslaufmodell verabschieden und Zimmerraten im gehobenen Segment gingen zum Schnäppchenpreis an die Kunden. Doch schneller als von allen Beteiligten erhofft ist die Wende gekommen: Die Geschäftsreisenden sind zurück! Zumindest in Asien

Wirtschaftskrise, Vulkanasche, SARS – kaum eine Branche ist so unmittelbar und drastisch betroffen wie die Reiseindustrie. Keine Krise, in keiner Region, die nicht auch den Reiseverkehr treffen würde. Einmal mehr zählten Hotels und Airlines auch in den vergangenen beiden Jahren zu den größten Verlierern der Rezession. Insbesondere im gehobenen Segment fielen die Belegungsraten der Hotels und in der Folge die Zimmerpreise. Ebenso schrumpften die Flugbuchungen und trotz massiver Sparmaßnahmen rutschten die Airlines weltweit in die roten Zahlen. Der schmerzhafteste Verlust für die Branche war jedoch das Ausbleiben der Premium-Gäste. Denn die Geschäftsreisenden bringen sind es, die den Gewinn bringen. Sie fliegen Business Class, mieten die Konferenzräume und belegen in den Hotels gleich ganze Etagen.

Doch standen die Zeichen eben noch auf Krise, so heißt es jetzt wieder „Aufschwung“. Ganz offensichtlich ließ sich dies an den Gesichtern auf der Branchenmesse Imex im Mai in Frankfurt am Main ablesen. Ein Blick durch die Gänge brachte es zutage, man trägt wieder Lächeln! Was für die Investitionsgüter die Hannover Messe, das ist für die Meeting- und Incentive-Branche die Imex: ein Gradmesser. Einmal jährlich treffen sich hier Marketing- und Vertriebsexperten von Hotels, Ländern, Städten, Reiseveranstaltern und Kreuzfahrtgesellschaften mit den Einkäufern. Das Fazit dieses Jahres: Rekordteilnahme. Mehr als 3.800 Einkäufer aus über 60 Ländern kamen auf der Suche nach Hotels und Destinationen für Tagungen, Messen und Incentive-Reisen in die Frankfurter Messehallen.

Indien und China sorgen für gute Stimmung

„In den vergangenen Jahren hatte unsere Branche mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen – nicht nur wirtschaftlich. Daher freue ich mich umso mehr, dass sich Einkäufer wie Aussteller gleichermaßen zur Imex bekennen“, resümierte Ray Boom, Chairman der IMEX Group. Gedankt ist die Wende jedoch nicht den Europäern. Vor allem aus den „aufstrebenden Märkten“ – darunter China und Indien – seien mehr Einkäufer gekommen. „Sie repräsentieren eine neue Welle an Kaufkraft und Interesse, die von vielen Ausstellern sehr gut angenommen wurde“, so Boom.

Ein ganz ähnliches Bild zeichnen auch die jüngsten Zahlen der Airline-Branche. Insgesamt geht es bergauf, den Aufschwung aber trägt vor allem Asien. „Fluggesellschaften aus dem asiatisch-pazifischen Raum werden mit prognostizierten 2,2 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr den international höchsten Gewinn machen“, verkündete der Airline-Verband Iata im Juni. Zugleich ließen die Statistiken des Luftverkehrs jene Pessimisten verstummen, die im Verlauf der Krise bereits geunkt hatten, die klassische Geschäftsreise habe ausgedient. Tatsächlich ist es das Business-Segment, das sich als Erstes aus der Asche erhebt. Nach Zahlen der Iata ist das Premium-Segment im ersten Quartal 2010 um 20 Prozent gewachsen. Allerdings gibt es zwischen den verschiedenen Verkehrsgebieten ein starkes Gefälle: Während in Ostasien 24 Prozent mehr Premium-Passagiere gezählt wurden, lag die Quote innerhalb Europas bei minus 3,1 Prozent.

Profitiert hat von der zurückkehrenden Dynamik der Geschäftsreise-Sparte auch die Holzklasse. In der Economy Class liegen die Verkehrszahlen schon wieder auf Vorkrisen-Niveau – und das vor allem dank jener Geschäftsreisenden, die nun sparsamer fliegen als noch vor der Wirtschaftskrise.

Chinesen reisen anders

So viel zur Statistik. Doch freilich stellt jede Krise die Anbieter auch vor die Qualitätsfrage: Welche Argumente überzeugen die Kunden? Dies wollte unter anderem auch die US-amerikanische Hotelkette Marriott wissen und hat dafür mehr als 1.200 Geschäftsreisende aus Großbritannien, den USA, Deutschland und China befragt. Schließlich will der Branchenriese in den kommenden Jahren vor allem in der Volksrepublik kräftig wachsen. Und tatsächlich unterscheiden sich die Bedürfnisse der westlichen Gäste von jenen der chinesischen Geschäftsreisenden ganz enorm.

Der größte Unterschied – und die beste Nachricht für all jene, die ihren Fuß bereits im chinesischen Markt haben – liegt in den Zukunftserwartungen. Fast zwei Drittel der Befragten aus China rechnen damit, dass die Zahl der von ihnen unternommenen Geschäftsreisen im kommenden Jahr ansteigen wird, wohingegen weniger als 30 Prozent der westlichen Umfrageteilnehmer mit einem Anstieg rechnen. Im Gegenteil: Der Anteil jener, die eine weitere Abnahme von Geschäftsreisen erwarten, überwiegt.

Eine glamouröse Angelegenheit

Mit der höheren Erwartung der Chinesen an die Frequenz geht auch eine größere Freude am Reisen einher. In der Nation, die das Reisen gerade erst für sich entdeckt, ist auch der Business-Trip eine äußerst willkommene Abwechslung zum Büroalltag. So bewerten 70 Prozent der chinesischen Teilnehmer (und damit ein weit höherer Anteil als unter den westlichen Befragten) die Geschäftsreise gar als glamouröse Angelegenheit. Und sie genießen nicht nur allein. Am liebsten würden sie auch Freunde, Ehegatten oder andere Familienmitglieder an ihrem Privileg teilhaben lassen. Partnerangebote dürften in der Volksrepublik demnach einen guten Anklang finden.

Und glaubten die Deutschen bislang, Umweltbewusstsein sei eine rein deutsche Tugend, so belehrt sie die Marriott-Studie jetzt eines Besseren. 83 Prozent der befragten chinesischen Geschäftsleute und 75 Prozent der deutschen votieren für die Notwendigkeit eines Hotels, das auf einen „grünen Service“ achtet. Wichtig ist den Geschäftsreisenden, dass das Hotel ein Recycling-System verfolgt, zur Sparsamkeit bei Handtüchern auffordert und energieeffizient wirtschaftet.

Aus inAsien, Ausgabe 4/2010
Autorin: Charlotte Wolff